Wirtschaft

Ernährung Baby- und Kleinkindertees sollen gesünder werden / Bundesrat entscheidet am Freitag

Vorstoß für Zuckerverbot

Archivartikel

Berlin.Wie viel Zucker steckt im Kinderjoghurt? Und müssen die Cornflakes in der Packung mit den bunten Figuren wirklich so gesüßt sein? Wenn es um gesündere Ernährung geht, stehen Produkte besonders im Blick, die extra für Kinder angepriesen werden.

Denn Experten betonen, wie wichtig frühe Gewohnheiten beim Essen und Trinken sind. Ärzte und Verbraucherschützer dringen seit längerem auf ein schärferes Vorgehen gegen „Dickmacher“ gerade für die Jüngsten. Für Baby- und Kleinkindertees soll jetzt ein generelles Zuckerverbot kommen – zusammen mit Hinweisen für die Eltern auf der Packung.

„Babys und Kleinkinder benötigen keine gesüßten Getränke“, sagte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. „Es sollte ihnen auch nicht von Anfang an „antrainiert“ werden.“ Deshalb hätten Zucker und weitere süßende Zutaten in Tees und anderen Getränken nichts zu suchen, die speziell an sie gerichtet sind. Klöckner hat daher ein Verbot auf den Weg gebracht, über das an diesem Freitag der Bundesrat entscheiden soll. Die zuständigen Ausschüsse der Länderkammer empfehlen Zustimmung.

Konkret sollen Kräuter- und Früchtetees für Säuglinge und Kleinkinder künftig keinen zugesetzten Zucker enthalten dürfen – und auch nicht Honig, Malzextrakt, Sirupe oder Dicksäfte. Vorgeschrieben werden soll außerdem ein Hinweis auf der Verpackung oder einem Etikett, beim Zubereiten auf die Zugabe von Zucker und anderen süßenden Zutaten zu verzichten. Kommen soll auch eine Kennzeichnung, ab welchem Kindesalter die Tees verwendet werden können – generell darf es nicht unter vier Monaten sein. Die Verordnung will Klöckner dann schnell erlassen. Konkret soll das Zuckerverbot 37 Produkte erfassen, wie es in der Verordnung heißt. Die neuen Informationspflichten auf der Packung betreffen demnach laut einer Marktübersicht 85 Produkte.

Foodwatch unzufrieden

Handlungsbedarf besteht, wie nicht nur Mediziner mahnen. Gezuckerte Getränke erhöhten die Gefahr von Karies und Übergewicht, erläutert das Ministerium. Und in den ersten 1000 Lebenstagen von Kindern würden wichtige Weichen fürs Ernährungsverhalten gestellt – einmal angestammte Gewohnheiten später zu ändern, sei dann schwieriger.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte die Pläne als „Ablenkungsmanöver“. Gesüßte Kindertees seien ein Nischenprodukt, das im Einzelhandel ohnehin kaum mehr eine Rolle spiele, sagte Experte Oliver Huizinga. Vielmehr müsse Klöckner „ernsthafte Maßnahmen“ ergreifen, wie sie auch von der Weltgesundheitsorganisation und Ärzten seit Jahren gefordert werden. „Die Werbung an Kinder für unausgewogene Lebensmittel muss gesetzlich untersagt werden.“ 

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