Wirtschaft

Finanzen Geldpolitik der EZB drückt aufs Kerngeschäft / Sechs Filialen geschlossen / Negativzinsen für Großkunden

VR Bank leidet unter Nullzins

Archivartikel

Mannheim.Es könnte alles so schön sein. „Goldgräberstimmung“ an den Finanzmärkten, der Dax im Höhenflug, der Wirtschaft geht es blendend. „Eigentlich die perfekten Bedingungen für Banken“, sagt Wolfgang Thomasberger (Bild), Vorstandschef der VR Bank Rhein-Neckar in Mannheim. Wäre da nicht die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Wie vielen Geldhäusern bereitete sie auch der VR Bank im vergangenen Jahr Kopfzerbrechen. Bei der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch legte der Vorstand zwar ein zufriedenstellendes Ergebnis vor. Unter „normalen“ Bedingungen, sagt der Vorstandschef, wäre es aber besser ausgefallen.

Schwaches Wachstum

Banken machen Gewinn, wenn sie über die Zinsen mehr für verliehenes Geld einnehmen, als sie für angelegtes Geld an Kunden auszahlen müssen. „Von dieser Differenz leben wir. Und die ist im Moment zu klein“, beklagt Thomasberger. Dafür verantwortlich ist die Politik der EZB. Sie setzt über den Leitzins die Regeln für die Kreditgeschäfte. Banker wie Thomasberger warten deshalb sehnsüchtig darauf, dass EZB-Chef Mario Draghi die Zeiten der Nullzinsen beendet.

Der Genossenschaftsbank litt im vergangenen Jahr unter sinkenden Ergebnissen im Zinsgeschäft, dafür lief das Provisionsgeschäft besser. Insgesamt legte das Kerngeschäft damit um 1,9 Millionen Euro auf 96,2 Millionen Euro zu. Ein Wachstum, das „nicht exorbitant“ sei, sagt Thomasberger, aber in Anbetracht der Situation gut. Kunden liehen sich 2017 zudem mehr Geld von der Bank, vor allem in Form von Wohnbaudarlehen. Sie legten auch mehr Geld an. Thomasberger nennt das „einen Vertrauensbeweis“. Der Vorstand will das Ergebnis nun nutzen, um das Eigenkapital des Geldhauses zu stärken. Zudem wolle er den Mitgliedern bei der Hauptversammlung am 18. Juni eine Dividende in Höhe von vier Prozent vorschlagen.

Kunden bekamen die schwierigen Bedingungen für Banken im vergangenen Jahr zu spüren. Die Gebühren für Dienstleistungen im Girobereich habe die Bank entsprechend erhöhen müssen, sagt Thomasberger. Mit großen Gewerbekunden habe man seit vier Jahren bereits „Vereinbarungen über Negativverzinsungen“ getroffen. Die beträfen allerdings nur wenige Unternehmen ab einem Einlagevolumen von einer Million Euro. Wenn sich die Zinssituation nicht ändere, könnten „auf ganz lange Sicht Negativzinsen auch für Privatkunden nicht ausgeschlossen werden“. Im Moment seien sie jedoch nicht geplant.

Filialen geschlossen

Immer mehr Kunden nutzen Smartphones, Tablets und Computer für ihre Bankgeschäfte. Der Bundesverband deutscher Banken hatte in dieser Woche prognostiziert, dass die Anzahl der Filialen in den kommenden Jahren wegen der Digitalisierung vermutlich weiter zurückgehen werde.

Auch die VR Bank schloss Geschäftsstellen. Gab es 2016 noch 51, sind es heute noch 45, sechs davon werden ausschließlich über Automaten betrieben. In Mannheim hat es im April die Filialen in U6 und Herzogenried getroffen, im Juni und September jene in der Seckenheimer Straße und Pfingstberg. Auf der anderen Rhein-Seite ist seit Mai die Filiale in Edigheim geschlossen, die in Schauernheim seit September.

Dafür sollen aber neue dazu kommen. Man schaue sich die neuen Stadtgebiete genau an, zum Beispiel Benjamin-Franklin-Village, sagt Vorstandsmitglied Michael Düpmann. Bei den bestehenden Filialen gebe es zudem erheblichen Investitionsbedarf. Viele Räume hätten noch den zweifelhaften Charme der Siebziger, sagt Düpmann. 2,5 Millionen Euro sollen nun jährlich in die Neugestaltung fließen. In Mannheim wolle die Bank als nächstes die Filialen in Seckenheim und Friedrichsfeld herausputzen.