Wirtschaft

Tarifstreit Sicherheitspersonal legt Arbeit in Stuttgart, Düsseldorf und Köln/Bonn nieder / Viele Reisende kommen gar nicht erst an die Terminals

Warnstreiks treffen Zehntausende Flugpassagiere

Stuttgart.Der Warnstreik des Sicherheitspersonals am Stuttgarter Flughafen hat gestern die Reisepläne Zehntausender Passagiere durchkreuzt. Von den 275 Starts und Landungen, die geplant waren, hatten die Airlines 142 vorsorglich gestrichen, wie der Flughafen mitteilte. Für etwa die Hälfte der rund 25 000 erwarteten Passagiere fiel die Reise damit komplett ins Wasser. Viele, die vorab von ihrer Fluggesellschaft informiert worden waren, kamen gar nicht erst zum Flughafen. Der Rest musste vor allem am Nachmittag längere Wartezeiten bei der Abfertigung in Kauf nehmen.

Aufgerufen zu dem Warnstreik hatte die Gewerkschaft Verdi, die für die bundesweit 23 000 Kontrolleure von Passagieren, Fracht, Waren und Flughafen-Beschäftigten eine bundesweit einheitliche Bezahlung von 20 Euro pro Stunde fordert. Das wäre ein Plus im teilweise hohen zweistelligen Prozentbereich. Derzeit ist die Bezahlung unterschiedlich – je nach Region und Tätigkeit liegt sie, grob gesagt, zwischen rund 13 und 17 Euro. Wer Passagiere kontrolliert, bekommt mehr, wer nur Fracht oder Airport-Personal überprüft, weniger. Zudem gibt es noch das alte Ost-West-Gefälle.

Kontrollen gebündelt

Der Stuttgarter Flughafen hatte die Sicherheitskontrollen, die jeden Morgen um 4.00 Uhr beginnen, zentral in einem Terminal gebündelt. Normalerweise finden sie parallel in mehreren Terminals statt. Außerdem seien das Servicepersonal aufgestockt und spezielle Teams eingesetzt worden, um den Fluggästen zu helfen.

Die Zahl der Passagiere am Stuttgarter Flughafen steigt seit Jahren. 2018 wurden 11,8 Millionen Fluggäste gezählt, knapp acht Prozent mehr als im Jahr davor, wie der Airport gestern mitteilte. Die Zahl der Starts und Landungen stieg um gut zehn Prozent auf mehr als 111 000.

Neben Stuttgart waren auch die Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf direkt betroffen, wo ebenfalls hunderte Starts und Landungen ausfielen. 58 600 Passagiere hatte der Düsseldorfer Airport ursprünglich gestern erwartet für die 580 Starts und Landungen, von denen 370 abgesagt werden mussten. In Köln waren es 131 Absagen bei 199 Flugbewegungen für ursprünglich 22 000 Reisende. Außerdem gab es Auswirkungen auf weitere Airports, bei denen Verbindungen zu den bestreikten Zielen im Flugplan standen.

Die Arbeitgeber halten die Verdi-Forderung für unrealistisch. Sie bieten nach eigenen Angaben ein Plus von bis zu 6,4 Prozent. Für die Gewerkschaft ist das zu wenig – für das Gros der Beschäftigten wäre das nach ihrer Berechnung nur zwei Prozent Plus. Sollten die Arbeitgeber kein besseres Angebot vorlegen, seien weitere Warnstreiks bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 23. Januar nicht auszuschließen. dpa