Wirtschaft

CTS Eventim Gekündigter Betreiber berechnet Schadenersatzforderung an den Bund / Kerngeschäft läuft bestens

Warten auf die Maut-Rechnung

Archivartikel

Bremen.Für gute Geschäftszahlen braucht der Ticket- und Eventkonzern CTS Eventim die Einnahmen aus der gescheiterten Pkw-Maut sicher nicht. Sattes Wachstum bei Umsatz und Gewinn, Aktienkurs auf Rekordhöhe und gute Aufstiegschancen in den MDax der mittelgroßen Börsenwerte – die Bilanz für das erste Halbjahr 2019 konnte sich am Donnerstag sehen lassen. Die Maut könnte letztlich sogar für ein Zusatzgeschäft sorgen, obwohl sie im Juni vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) gestoppt wurde. Derzeit kalkuliert Eventim seine Ansprüche an den Bund, also den Steuerzahler.

„Wird noch einige Wochen dauern“

Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg sieht die Gesamtlage gelassen. „Die Maut war immer schon ein völlig separates Thema und zudem für CTS Eventim auch nie als Kerngeschäft gedacht“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Maut sollte Eventim im Joint Venture mit der österreichischen Firma Kapsch erheben und kontrollieren. Am 18. Juni kippte der EuGH das Projekt von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der dann die Verträge mit den Betreibern kündigte.

Jetzt wird gerechnet, wie hoch die Schadenersatzansprüche ausfallen. „Wir sind noch dabei, das zu ermitteln, und das wird auch noch einige Wochen dauern“, so Schulenberg, der in einem Brief an die Aktionäre klar machte, dass wohl frühestens im Oktober mit Zahlen zu rechnen ist. „Zurzeit laufen die Verträge noch, und eine komplette Forderungsaufstellung wird erst nach Vertragsende unter Bewertung aller Ansprüche möglich sein“, schrieb er. Die Vertragskündigung wird am 30. September wirksam.

Die Gelassenheit rührt auch daher, dass die Verträge Schutzbestimmungen enthalten für den Fall, dass die Maut nicht eingeführt wird. „Wenn das EuGH-Urteil anders ausgefallen wäre, hätte der Bund die Kooperation mit den Betreibern laut Herrn Scheuer fortgesetzt“, betonte Schulenberg. „Dies zeigt, dass der Vertrag nicht aufgrund der Leistung der Betreibergesellschaft gekündigt wurde. Mit diesem Statement hat Herr Scheuer einen erheblichen Beitrag zur Transparenz geleistet.“

Keine Spekulation sind die Halbjahreszahlen des Unternehmens, das mit einem Netz aus 26 Veranstaltern in zehn Ländern ein Schwergewicht am Live-Entertainment-Markt ist – mit 27 Festivals, 5000 Live-Events und zehn Millionen Besuchern im Jahr. Das Ticket-Geschäft lieferte mit 23,7 Millionen Online-Karten eine Bestmarke. Der Umsatz stieg um 14,8 Prozent auf 696,6 Millionen, der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) um 18,7 Prozent auf 111,8 Millionen Euro. 

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