Wirtschaft

Weltspartag Die niedrigen Zinsen stellen Anleger vor Herausforderungen – doch mit der richtigen Strategie können Verbraucher dagegen halten

Was man mit dem Geld am besten macht

Archivartikel

Frankfurt.Am Mittwoch ist Weltspartag – aber wer will noch sparen? Die Zinsen liegen nahe null und bleiben noch lange niedrig, manche Experten sprechen von zehn Jahren und länger. Damit sind Alternativen zum klassischen Sparen gefragt – oder Möglichkeiten, bei Finanzangelegenheiten zu sparen. Dazu wichtige Fragen und Antworten.

Wie sieht es aktuell bei den Sparzinsen aus?

Der renommierten Finanzberatung FMH zufolge gewähren Banken und Sparkassen für Beträge ab 5000 Euro im Schnitt derzeit gerade mal 0,06 Prozent. Das heißt, ein Sparer erhält im Jahr satte drei Euro. Real nach Abzug der Inflationsrate von zuletzt 1,2 Prozent im September verlieren die Sparer also Geld.

Wer muss mit Negativzinsen rechnen?

„Normale“ Kunden zurzeit nicht. Zumindest noch nicht. Für größere Anlagebeträge ab 100 000 Euro geben etliche Sparkassen und Banken die Belastung durch die EZB an diese Kunden aber bereits weiter.

Ist ein Wechsel der Bank schwierig?

Heute ist das kein Problem mehr. Eröffnet man ein Tagesgeld-Konto bei einem anderen Institut, was in der Regel online möglich ist, übernimmt die Bank den Einzug des Geldes und veranlasst die Löschung des bisherigen Kontos.

Wie sehen die Alternativen zu Spar- und Tagesgeldkonto aus?

Es gibt etliche Optionen. Allerdings muss man für sich vorab klären, sagt Sara Zinnecker vom Verbraucherportal Finanztip, wie lange man auf das Geld verzichten kann. Kann man das Auf und Ab des Wertes einer Anlage wie eines Fonds oder einer Aktie aushalten? Wie viel Geld braucht man am Ende des Anlagezeitraums? Generell gilt: Wer eine höhere Rendite will, geht ein größeres Risiko ein.

Wie lange sollte eine langfristige Anlage mindestens laufen?

Hat man Aktien im Blick, empfiehlt das Deutsche Aktieninstitut (DAI) eine Anlagedauer von mindestens fünf Jahren, besser länger. Dabei gilt generell: Nicht nur auf eine oder wenige Aktien setzen, sondern auf mehrere Papiere streuen. Das mindert die Ausschläge und das Risiko. Zur Auswahl stehen Aktien- oder Mischfonds oder Index-Fonds (ETF). Ein solcher bildet etwa die Entwicklung des Deutschen Aktienindex Dax mit seinen 30 Werten oder den Weltaktienindex MSCI nach. Generell hat sich die Aktienanlage in der Rückschau bewährt. Das vom DAI ausgearbeitete Renditedreieck für den Dax für die vergangenen 70 Jahre zeigt, dass im Schnitt die jährliche Rendite bei rund sechs Prozent lag. Das ist allerdings keine Garantie für die Zukunft.

Aber der Kauf von Aktien und Fonds kostet doch Geld, oder?

Ja, aber vergleichen lohnt sich. Viele Banken, vor allem Direktbanken, bieten ein Wertpapier-Depot kostenfrei an, während andere pro Jahr je nach Wert des Depots einen drei- oder vierstelligen Betrag verlangen. Auch Provisionen für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren unterscheiden sich. Generell gilt: Der Kauf einzelner Aktien ist teurer, die Gebühren bei Fonds zum Teil stattlich. Am günstigsten sind ETFs, da sie keinen Fondsmanager benötigen.

Was ist mit bestehenden Krediten?

Wer noch laufende Kredite hat, sollte sie sich genau anschauen, sagt Sara Zinnecker. „Die beste Geldanlage ist die Rückzahlung Ihrer Schulden.“ Die Rendite kann sich dabei sehen lassen. Bei einer Kontoüberziehung verlangen die Geldhäuser Zinsen von im Schnitt mehr als neun Prozent. Bei Ratenkrediten und Baufinanzierungen kann eine vorzeitige Rückzahlung jedoch teuer sein.

Und wie sieht es bei neuen Krediten aus?

Auch hier kann man Geld sparen. Etwa bei Baufinanzierungen. Da liegen die Zinsen für eine Zehn-Jahres-Hypothek nach Angaben von FMH aktuell bei im Schnitt 0,69 Prozent. Laut FMH wurde im September eine Zehn-Jahres-Hypothek mit einem Zins von nur 0,03 Prozent angeboten. Für 400 000 Euro wären über die gesamten zehn Jahre nur 605 Euro an Zinsen angefallen.

Wie ist die Lage bei Konsumentenkrediten?

Die Konditionen für Ratenkredite mit einer Laufzeit von 48 Monaten liegen laut FMH im Schnitt bei 4,26 Prozent. Gerhard Schick, früherer Bundestagsabgeordneter der Grünen und heute Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende, warnt: Bei Testbesuchen habe man festgestellt, dass etliche Banken Konsumenten in die Überschuldung treiben würden. Sie schwätzten Verbrauchern teils einen höheren Kredit auf als notwendig sei.

Kann man wenigstens beim Girokonto sparen?

Nach Angaben des Verbraucherportals biallo.de bieten derzeit 40 von 1300 Banken und Sparkassen komplett kostenfreie Girokonten an. Andere verlangen einen Mindest-Geldeingang im Monat oder halten bei der Jahresgebühr für die Kreditkarte mit bis zu 40 Euro die Hand auf. Andererseits erhalten Neukunden teils einen Bonus von bis zu 100 Euro.

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