Wirtschaft

Tourismus Urlaub im europäischen Ausland ist wieder möglich – aber viele Unsicherheiten bleiben

Was Reisende jetzt beachten müssen

Archivartikel

Berlin.Die Grenzen zu den EU-Ländern öffnen sich langsam, während die Reisewarnung für das übrige Ausland bis Ende August weitgehend bestehen bleibt. Für Sommerurlauber ergeben sich daraus zahlreiche neue Fragen.

Wie komme ich unter die ersten Touristen nach Mallorca?

Die meisten Gäste des Pilotprojekts haben ihren Urlaub nach Auskunft der Tourismusbehörde der Balearischen Inseln schon vor der Pandemie gebucht. Insgesamt öffnen sich die Inseln für 10 900 Reisende aus Deutschland. Ebenfalls willkommen seien Besitzer von Ferienhäusern, sagte der örtliche Tourismus-Chef Iago Negueruela. Diese müssen den Besitz bei der Einreise nachweisen. „Es ist davon auszugehen, dass vor allem jene Veranstalter am Pilotprojekt teilnehmen können, die von der Organisation über die Fluggesellschaft bis hin zum Hotel durchgängig die Einhaltung von Hygiene- und Sicherheitskriterien garantieren“, teilt die Allianz selbständiger Reiseunternehmen (ASR) in Berlin mit. Die Veranstalter werden ihre Kunden in den kommenden Tagen informieren.

Ich habe vor der Krise gebucht, doch die Reise erscheint mir zu riskant, obwohl sie wieder möglich wäre. Kann ich auf Umbuchung oder Erstattung bestehen?

Viele Fluggesellschaften kommen ihren Kunden derzeit bei der Umbuchung entgegen – auch dann, wenn sich das Ticket eigentlich nicht ändern lässt. Die Lufthansa bietet eine einmalige Verschiebung des Datums auf derselben Strecke und in derselben Reiseklasse an. „Die Umbuchung muss dabei vor dem ursprünglich geplanten Reiseantritt vorgenommen werden“, warnt ein Sprecher. Der Flug lässt sich hier auch auf den Sommer kommenden Jahres verschieben. „Einem entspannten Sommerurlaub oder dem Besuch einer Veranstaltung zum neuen Termin im kommenden Jahr steht damit nichts mehr im Wege.“ Das neue Reisedatum müsse aber vor dem 31. Dezember 2021 liegen. Eine Stornierung gegen Erstattung ist dagegen in der Regel nicht möglich.

Ich warte vergeblich auf das Geld von einer Stornierung bei der Lufthansa. Was ist da los?

Die Fluglinie bittet um etwas Geduld. Sie muss derzeit jeden Monat Ticketerstattungen für dreistellige Millionenbeträge verarbeiten. „Erstattungen sind und bleiben weiterhin grundsätzlich möglich“, sagt der Sprecher.

Ich buche jetzt eine Pauschalreise, und die Corona-Lage verschlechtert sich wieder, kann ich dann zurücktreten?

Wenn die Lage sich so entwickelt, dass die Reise erheblich beeinträchtigt ist, dann hat der Kunde das Recht, kostenfrei zu stornieren. „Die Gründe dürfen dazu erst nach der Buchung aufgetreten sein“, sagt Rechtsexperte Robert Bartel von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Das Risiko eines überraschend heftigen Wiederaufflammens der Pandemie trägt also der Veranstalter. Anders sieht es aus, wenn im Zielland nur einige Infektionen auftreten – schließlich ist das der Normalzustand, über den der Reisende Bescheid wissen sollte.

Ich stecke mich vor Ort mit Covid-19 an. Organisiert meine Krankenversicherung den Rücktransport?

Die großen Krankenversicherer geben sich Mühe, ihre Versprechen einzuhalten, wenn ein Rücktransport im Vertrag enthalten ist. In der Praxis tun sich jedoch bei Covid-19 zahlreiche Besonderheiten auf. Patienten mit einem schweren Verlauf sind meist nicht flugtauglich, warnt der ADAC. „Und auch wenn aus medizinischer Sicht ein Krankenrücktransport in Ordnung wäre, der Patient aber im Urlaubsland unter Quarantäne gestellt wird, können wir keinen Rücktransport durchführen.“ Das Gleiche gilt, wenn das ADAC-Team wegen Quarantänebestimmungen nicht einreisen darf. Auch die Allianz Krankenversicherung behandelt Corona „grundsätzlich wie alle anderen Krankheiten“, sieht aber in dieser besonderen Situation vergleichsweise große Schwierigkeiten für die Rückholung. Die Versicherer betonen: Patienten mit leichtem Verlauf brauchen keinen Rückflug, weil ihnen eine Behandlung in Deutschland medizinisch nichts bringt.

Was, wenn sich im Zielland die Lage rapide verschlechtert?

Der Veranstalter der Reise hat grundsätzlich die Pflicht, sich um seine Gäste zu kümmern und im Notfall die Rückreise zu organisieren. „Er trägt das Risiko für Mängel, die während der Reise auftreten“, sagt Verbraucherschützer Bartel.

Und was ist mit Einschränkungen am Urlaubsort?

Maske am Strand, der Pool geschlossen, Restaurants im Notbetrieb – Urlaub in Corona-Zeiten kann eine Erfahrung der eigenen Art sein. Welche Rechte Sie haben, hängt ganz davon ab, wie ehrlich der Veranstalter vorher über die Einschränkungen informiert hat. Wenn auf der Webseite klar stand, dass das Schwimmbad nicht verfügbar ist und am Strand Hygieneregeln gelten, lässt sich nichts machen. „Wenn dagegen eine Leistung versprochen war, die das Hotel oder der Veranstalter dann nicht erbringt, dann hat der Reisende unter Umständen Anspruch auf eine Preisminderung“, sagt Bartel.

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