Wirtschaft

Corona-Krise Die Bundesregierung spannt einen umfangreichen Schutzschirm auch über Kleinunternehmer / Sonder-Kreditprogramm der Förderbank KfW

Was Selbstständigen jetzt helfen kann

Archivartikel

München/Berlin.Boutiquen müssen schließen, geplante Caterings fallen aus, Sprachkurse und Coachings werden abgesagt: Die Corona-Krise trifft viele Selbstständige besonders hart. Was können Betroffene tun?

Liquiditätsplan erstellen

Das Bundeskabinett hat am Montag mehrere Schutzschirme und umfangreiche Rechtsänderungen beschlossen. Im Schnellverfahren sollen auch Bundestag und Bundesrat zustimmen. Schritt eins sei es für Selbstständige jetzt, einen Liquiditätsplan zu erstellen, rät Andreas Lutz, Vorsitzender im Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD): „Was geht ein, was geht raus und wie lange kann ich ohne Aufträge überleben?“ Auf diese Weise müssten betroffene Selbstständige jetzt versuchen, ihre Kontoauszüge für die kommenden Monate vorauszuplanen.

Ausgaben im Blick behalten

Wichtig sei für Selbstständige auch, zu prüfen, welche laufenden Ausgaben sich senken oder aussetzen lassen. „Viele Selbstständige haben Büroräume, Praxen, Ladenflächen oder etwa einen Pkw. Dafür laufen die Miete und Leasingrate weiter“, sagt Lutz. Er rät Selbstständigen mit dem Vermieter zu sprechen, und die aktuelle Situation zu erklären: „Vielleicht lässt der Vermieter mit sich reden und setzt die Miete für einige Zeit aus.“

Wer von der Krise unmittelbar betroffen ist, sollte außerdem seine Sozialversicherungsbeiträge anpassen lassen. Gesetzliche Krankenkassen setzen die Beiträge für freiwillig Versicherte herab, wenn ein Antrag darauf gestellt wird, erklärt die Gewerkschaft Verdi. „Es gibt Krankenkassen, die den Beitrag bei entsprechendem Nachweis sogar vorübergehend auf Null senken“, sagt Lutz.

Die Künstlersozialkasse KSK bietet ihren Versicherten auf ihrer Website zum Beispiel an, bei Auftragsstornierungen jederzeit die geänderte Einkommenserwartung zu melden. „Was Selbstständige nicht tun sollten: Einfach keine Beiträge bezahlen“, mahnt Lutz. Außerdem sei es wichtig, jeden Monat neu anzurufen und die Krankenkasse auf dem Laufenden zu halten. Betroffene Selbstständige sollten außerdem aufgrund der anstehenden Verluste beim zuständigen Finanzamt ihre Vorauszahlungen herabsetzen oder ganz aussetzen lassen.

Überbrückungskredit beantragen

Ein unbegrenztes Sonder-Kreditprogramm der staatlichen Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist gestartet. Für Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler sollen vereinfachte Zugangsbedingungen und Konditionen für Kredite gelten. Für einen Antrag wenden sich Unternehmer an ihre Hausbank beziehungsweise an ihren Finanzierungspartner. Details zu den bislang drei Förderprogrammen sind auf der KfW-Website zu finden.

Gunter Haake vom Referat Selbstständige der Gewerkschaft Verdi sieht Kredite allerdings kritisch – besonders für Menschen mit geringen Verdiensten. „Damit verschiebt sich die Liquiditätsproblematik“, sagt er. Betroffene seien dann nach der Krise doppelt belastet, wenn sie für ihren Lebensunterhalt aufkommen müssen und gleichzeitig den Kredit zurückzahlen müssen – „das ist oft keine ideale Lösung.“

Zuschüsse beantragen

Das beschlossene Hilfspaket sieht für Angehörige der Freien Berufe und Solo-Selbstständige direkte Zuschüsse vor, zeigen gemeinsame Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und des Bundesfinanzministeriums. Unternehmer mit bis zu fünf Beschäftigten sollen bis 9000 Euro Einmalzahlung für drei Monate erhalten. Bis zu 15 000 Euro sind es für Unternehmer mit bis zu zehn Beschäftigten.

Selbstständige können bereits aktiv werden. Lutz rät, alles im Detail zu dokumentieren: Welche Kunden oder Klienten sagen wann ab, was geht verloren, wie hoch sind die Beträge? Der VGSD pflegt eine Linkliste mit Infos für Selbstständige zum Thema Corona (s. Webhinweis am Ende des Artikels).

Sozialleistungen beantragen

Wer als Solo-Selbstständiger auf Antrag in der Arbeitslosenversicherung ist, kann Arbeitslosengeld I beantragen. Selbstständige, die Anspruch auf diese Leistung haben, sollten den Antrag aktuell aber nur dann stellen, wenn sie sich bereits jetzt absehbar für längere Zeit in existenzbedrohlichen Situationen befinden, rät Verdi-Experte Haake. Denn: Die Zahlung von Arbeitslosengeld ist für Selbstständige derzeit auf zwei Auszahlungen begrenzt, informiert Verdi. „Wer noch ungefähr hinkommt, sollte noch ein paar Tage abwarten und sich informieren, wie die Hilfsfonds aussehen werden“, rät Haake.

Selbstständige ohne freiwillige Arbeitslosenversicherung bekommen Arbeitslosengeld II. Das Arbeitsministerium hat hierfür erleichterte Zugänge angekündigt. Selbstständige können laut Haake auch prüfen, ob sie die Bedingungen für Wohngeld erfüllen.

Insolvenz prüfen

Wer sehr schlimm betroffen ist, sollte sich auch über eine mögliche Insolvenz informieren. Solo-Selbstständige haften in voller Höhe mit ihrem Privatvermögen. Inhaber einer GmbH sollten aber auf ihre Meldepflichten gucken und Schulden melden, damit ihr Privatvermögen im Falle einer Insolvenz geschützt bleibt. dpa

Info: Informationen für Selbtständige unter https://bit.ly/3adiiXF

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