Wirtschaft

Finanzen Präsident David Malpass fordert zur Bewältigung der Corona-Krise einen Schuldenerlass

Weltbank warnt vor extremem Anstieg der Armut

Archivartikel

Frankfurt.Wenige Tage vor der Jahrestagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) hat Weltbank-Präsident David Malpass auf die dramatischen Folgen der Corona-Pandemie für die armen und ärmsten Länder aufmerksam gemacht.

Malpass fordert nicht nur eine Verlängerung des Moratoriums für Zins- und Tilgungszahlungen auf die bestehenden Schulden der Länder bis Ende nächsten Jahres, sondern einen Schuldenerlass. „Wir fürchten, dass bis 2021 weitere 110 bis 150 Millionen Menschen in extreme Armut gefallen sind und von weniger als 1,90 Dollar pro Tag leben müssen“, sagte er am Montag auf einer virtuellen Konferenz der Frankfurt School of Finance zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie. „Das bedeutet, dass die Pandemie und die globale Rezession mehr als 1,4 Prozent der Weltbevölkerung in extreme Armut treiben“.

Um diesen Trend wieder umzukehren, sind nach Angaben von Malpass 70 Milliarden Euro jährlich notwendig. Das übersteige die Möglichkeiten der Weltbank und aller Entwicklungsbanken. Malpass zufolge fehlen den armen und ärmsten Entwicklungsländern im Gegensatz zu den reichen Industriestaaten die Mittel, die Auswirkungen der Pandemie zu bekämpfen.

Milliarden für Notfallmaßnahmen

Das gelte etwa für das Bildungssystem. Wegen Covid-19 könnten 1,6 Milliarden Kinder in den armen Regionen der Welt nicht zur Schule gehen, was möglicherweise dazu führe, dass sie in ihrem späteren Berufsleben Einbußen von etwa zehn Billionen Dollar hinnehmen müssten.

Auch die Kindersterblichkeit dürfte steigen, fürchtet Malpass. Die Weltbank habe bereits im März Corona-Notfallmaßnahmen in 111 Ländern auf den Weg gebracht, etwa für Masken oder Ausrüstung für Gesundheitseinrichtungen und Schulen. Innerhalb von 15 Monaten wolle die Weltbank zusätzliche Mittel von 160 Milliarden Dollar zur Unterstützung der ärmsten Länder aufbringen, 50 Milliarden davon als Zuschuss. Für Therapien und den Kauf eines Corona-Impfstoffs will die Weltbank den Staaten bis zu zwölf Milliarden Dollar zur Verfügung stellen, vier Milliarden sind für die Produktion eines Impfstoffs vorgesehen.

Zudem bemüht sich die Weltbank Malpass zufolge, dass Schulen wieder sicher geöffnet werden können. Und dass in 65 Ländern Möglichkeiten für digitalen Unterricht geschaffen werden: „In Nigeria haben wir 500 Millionen Dollar für die Ausbildung von Mädchen bereitgestellt. Davon sollen mehr als sechs Millionen Schülerinnen profitieren.“

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