Wirtschaft

Banken Verband hoff auf wirtschaftliche Stabilisierung im dritten Quartal, falls das Coronavirus eingedämmt wird / Ökonom: „So etwas haben wir noch nie gesehen“

Weltweit Hilfspakete von historischem Ausmaß

Archivartikel

Frankfurt.Weltweit steuern Fiskalpolitik und Notenbanken auf das größte Hilfspaket für die Wirtschaft, für Unternehmen, Banken und Verbraucher zu, das jemals geschnürt wurde. Nach Ansicht von Stefan Schneider, Chef-Volkswirt der Deutschen Bank und Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschafts- und Währung des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB), würden wegen der Coronavirus-Krise in den USA fünf bis sechs Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung für Hilfen eingesetzt und damit mehr als eine Billion Dollar. In Europa seien es etwa 1,5 Prozent des jährlichen Sozialprodukts, das 2019 bei mehr als 16 Billionen Euro gelegen hatte. In der Eurozone waren es rund 11,6 Billionen Euro. Dazu kommen die Maßnahmen und Kreditlinien der weltweit wichtigsten Zentralbanken.

Der BdB befürchtet in diesem Jahr in Deutschland einen Wirtschaftseinbruch um vier bis fünf Prozent. „Das steht aber unter der Voraussetzung, dass die drastischen Maßnahmen gegen Corona greifen und die Pandemie im zweiten Quartal eingedämmt werden kann“, sagt Schneider. „Es ist ohne Zweifel ein Wirtschaftseinbruch, wie wir ihn so noch nie gesehen haben“.

Konsum kaum möglich

In den USA erwartet er im zweiten Quartal einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um drei bis vier Prozent, in der Eurozone um mindestens fünf Prozent und in Deutschland von bis zu 7,5 Prozent. Der schärfere Rückgang ergebe sich aus der starken Position der Industrie, etwa in der Autobranche, und der hohen Exportorientierung. Erst im dritten Quartal könne es eine Stabilisierung geben und dann im letzten Vierteljahr eine deutliche Erholung. Dabei orientiert sich Schneider auch an der Entwicklung in China, wo es wieder aufwärtsgehe und die Pandemie „halbwegs“ unter Kontrolle sei. Allerdings schränkt der Ökonom seine Vorhersage auch ein. „Eigentlich sind in einer solchen Situation Prognosen fast nicht möglich.“ Insgesamt seien es „dramatische“ Zahlen, aber es sei sicher nicht der Weltuntergang.

Ähnliche Befürchtungen für die Eurozone wie Schneider hegt offenbar auch Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie geht von einem Konjunktureinbruch in diesem Jahr von fünf Prozent und mehr aus. Generell hält der BdB Deutschland wegen seines „ordentlichen“ Gesundheits- und Sozialsystems gut aufgestellt, um die Krise zu bewältigen. „Wir brauchen keine Steuerschecks wie in den USA, wo jeder Amerikaner 1000 Dollar erhalten soll“. Schneider zufolge macht dies keinen Sinn, weil die Leute ja derzeit nicht konsumieren können, weil Geschäfte ohnehin geschlossen sind.

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