Wirtschaft

Türkei Weiterer Katastrophentag für Währung Lira / USA kündigen höhere Strafzölle an / Präsident Erdogan versucht, Landsleute zu beruhigen

„Wenn sie Dollar haben, haben wir unseren Gott“

Istanbul/Frankfurt.Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beschwört angesichts des dramatischen Verfalls der Landeswährung Lira himmlische Mächte. „Vergesst nicht: Wenn sie (die USA) Dollar haben, dann haben wir unseren Gott“, rief Erdogan gestern während einer Rede seinen Landsleuten zu. „Macht Euch keine Sorgen.“ Genau das vergrößerte die Sorgen am Devisenmarkt – ebenso wie die Aufforderung des Präsidenten, im „Wirtschaftskrieg“ mit dem Westen Dollar und Euro in die Landeswährung umzutauschen.

Der Dollar stieg gestern Nachmittag auf ein neues Rekordhoch – für einen Dollar wurden 6,87 Lira fällig. Auch gegenüber dem Euro verlor die Lira weiter an Wert. Das freut zwar deutsche Türkei-Urlauber. Bei Ökonomen allerdings wächst die Besorgnis.

Deutsche Banken gelassen

Die Landesbank Banden-Württemberg (LBBW) sieht die Lira in einer „Abwärtsspirale“. Mittlerweile wird an den Finanzmärkten schon über die Zahlungsunfähigkeit der Türkei spekuliert. Die bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelte Bankenaufsicht prüft offenbar, ob sich aus den Forderungen europäischer Banken an die Türkei Probleme ergeben könnten – auch wenn die EZB die Lage dem Vernehmen nach noch nicht kritisch sieht.

„Die derzeitige Lira-Schwäche ist kein Problem für deutsche Kreditinstitute“, sagte ein Sprecher des Branchenverbands Deutsche Kreditwirtschaft gestern. Heimische Institute seien bei Türkei-Krediten „überschaubar“ engagiert.

„Für die aktuelle massive Schwäche der Lira sind hausgemachte Probleme verantwortlich“, sagt Commerzbank-Ökonom Lutz Karpowitz. Ähnlich sieht es Robert Halver von der Baaderbank. Zwar wächst die türkische Wirtschaft 2018 vermutlich um rund fünf Prozent, aber das Leistungsbilanzdefizit von sechs Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist massiv, die Bonität der Unternehmen sinkt, die Devisenreserven schrumpfen. Und auch die Inflation von 15 Prozent befördert den Vertrauensverlust.

Höchst problematisch sind die Attacken Erdogans auf die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank. Sie müsste eigentlich die Zinsen erhöhen. Anders als Ökonomen sieht Erdogan Zinserhöhungen aber als Ursache für Inflation und nicht als Instrument dagegen.

Zudem kündigte US-Präsident Donald Trump via Twitter einen schärferen Kurs an: „Ich habe gerade eine Verdoppelung der Zölle auf Stahl und Aluminium hinsichtlich der Türkei bewilligt.“ Die USA fordern die Freilassung des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson. In einer Stellungnahme aus dem türkischen Außenministerium betonte Sprecher Hami Aksoy am späten Abend, die USA sollten wissen, dass sie Kooperation nicht mit Sanktionen und Unterdrückung erreichen könnten.