Wirtschaft

Prozess Ex-Reutax-Anwalt muss sich weiter vor Gericht verteidigen

Wer verantwortet die Bilanz?

Archivartikel

Mannheim.Der Angeklagte Richard F. sitzt im grauen Anzug im Verhandlungsraum der Wirtschaftsstrafkammer des Mannheimer Landgerichts. Die Hände des 51-Jährigen zittern leicht, dunkle Ringe umgeben seine Augen. Es ist der vierte Prozesstag gegen den ehemaligen Anwalt des insolventen Heidelberger Personaldienstleisters Reutax AG. Die Anklage lautet: Verdacht der Beihilfe zur Untreue. Spektakulär geendet hat im Juli 2014 der Prozess gegen den Gründer von Reutax, Soheyl G. Zu fünf Jahren und drei Monaten Haft wurde er damals verurteilt. Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass G. mit Firmengeldern unter anderem ein Haus in Beverly Hills im Wert von knapp zehn Millionen Dollar finanziert hat.

Das Gericht verhandelte gestern – im Beisein von Soheyl G. – nun weiter darüber, inwieweit der ehemalige Hausanwalt F. an der Verschleierung der Zahlungsflüsse mitgewirkt hat, obwohl dieser G. gewarnt habe, dass der Strafbestand der Untreue im Raum stehe. Hierfür wurden eine Sachbearbeiterin, Bereich „Buchprüfung“, des Landeskriminalamtes Karlsruhe und ein ehemaliger Wirtschaftsprüfer und Steuerberater als Zeugen befragt. Der Wirtschaftsprüfer hatte im Jahr 2011, im Jahr der Abwicklung des Hauskaufs, Reutax betreut. Nach Angaben der 48-jährigen Sachbearbeiterin konnte „lückenlos nachgewiesen werden, dass das Geld für den Immobilienkauf verwendet wurde.“ Hierfür wurde unter anderem eine Softwarefirma namens „Timar-Soft“ gegründet, für die die Reutax AG ein Investitionsdarlehen in Höhe von knapp fünf Millionen Dollar zur Verfügung gestellt hatte. Der größte Teil des Darlehens sei in den Kauf der Immobilie geflossen, so die Sachbearbeiterin.

Der Vorsitzende Richter Ulrich Bunk wendet sich anschließend stirnrunzelnd an den ehemaligen Münchner Wirtschaftsprüfer: „,Timar–Soft’ hatte keinen einzigen Mitarbeiter, kein Büro. Wie schätzen Sie denn die Werthaltigkeit eines solchen Unternehmens ein?“ Der Wirtschaftsprüfer bleibt gelassen: „Wir leben heute in einer virtuellen Welt. Es gibt Firmen, die haben irgendwo auf der Welt einen Computer stehen. Die Frage für uns lautet immer: ,Wer steht dahinter?’“ Erst später müsse man dann schauen, welche Erträge tatsächlich erwirtschaftet wurden.

Fortsetzung am 17. Mai

Richard F. ergreift immer wieder das Wort, stellt Fragen, so auch dem Wirtschaftsprüfer: „Ist man denn nicht den gesetzlichen Pflichten nachgegangen, wenn man die Bilanz dem Wirtschaftsprüfer übergeben hat?“ Dieser kontert: „Der Vorstand muss die Bilanz erstellen, das ist gesetzliche Pflicht. Wie diese erstellt wird, muss intern geregelt werden.“

Auch Soheyl G. kommt erneut zu Wort und beteuert: „Ich habe nichts gemacht, ohne mich bei Richard F. abzusichern.“ Der Prozess wird am Donnerstag, dem 17. Mai, um 10 Uhr, fortgesetzt.