Wirtschaft

Einwanderungsgesetz Durch Corona-Krise erst 106 Anträge

Werben um Fachkräfte muss warten

Archivartikel

Stuttgart.Weit hinter den Erwartungen bleibt in der Corona-Krise die Anwerbung ausländischer Fachkräfte zurück. Am 1. März trat das neue Gesetz in Kraft, das die Fachkräfte-einwanderung aus Nicht-EU-Staaten erleichtern soll. Bis Mitte April hatten in Baden-Württemberg Unternehmen aber nur Anträge für 106 Mitarbeiter gestellt. Das geht aus einer ersten Bilanz von Innenminister Thomas Strobl (CDU) hervor, die dieser auf Antrag des FDP-Abgeordneten Ulrich Goll zusammenstellte. Die Bundesregierung war davon ausgegangen, dass pro Jahr 25 000 Personen die neuen Möglichkeiten nutzen würden, für den Südwesten wären das rund 3000.

„Wird kein Dauerzustand bleiben“

„Das ist blöd gelaufen“, sagt der Arbeitsmarktexperte der Arbeitgeberverbände Baden-Württemberg, Thorsten Würth. Als das Gesetz endlich da gewesen sei, hätten die Unternehmen mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen gehabt. Dabei ist er überzeugt, dass zum Beispiel die IT-Branche, die Bauwirtschaft oder der Garten- und Landschaftsbau weiter auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen seien. Gerade die IT-Firmen seien durch die Digitalisierung Profiteure der Corona-Krise und hätten schon vorher über Personalmangel geklagt. Würth: „Wir sind weiter auf ausländische Fachkräfte angewiesen.“ So sieht es auch FDP-Mann Goll: „Es ist klar, dass durch die aktuelle Situation die Fachkräfteeinwanderung zurückgegangen ist. Das wird aber kein Dauerzustand bleiben.“

Goll vermutet, dass es bei der Umsetzung des Gesetzes in den Ausländerbehörden hakt. Laut Strobl sind 92 Mitarbeiter „ausschließlich oder vordringlich mit der Anwendung des Gesetzes betraut“. Die Beratung der Firmen sei sehr zeitintensiv. „Die Zahlen können nicht stimmen“, erklärt Goll. Rechnerisch sei in den ersten sechs Wochen pro Stelle ein Antrag entschieden worden. Viel wahrscheinlicher sei, dass die Ausländerbehörden die Anträge nur nebenbei bearbeiten und hauptsächlich ihren gewohnten Aufgaben nachgingen. Goll: „So wird eine gelungene Fachkräftezuwanderung nicht funktionieren.“

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