Wirtschaft

Internet Europäisches Parlament beschließt am Mittwoch schärfere Regeln für Videoplattformen

Werbung im Netz soll klarer gekennzeichnet werden

Archivartikel

Brüssel.Fernsehen ist out, Videoplattformen wie Netflix oder Amazon prime sind in. Doch bisher läuft der Wettbewerb in der EU nach unterschiedlichen Regeln ab. An diesem Mittwoch will das Europäische Parlament die Internet-Dienste an die Leine legen. In Sachen Jugendschutz und Angebot müssen viele nachbessern – und auch YouTube-Stars sind von den Neuregelungen betroffen. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum will die EU die Spielregeln für das klassische Fernsehen einerseits und Internet-Dienste sowie Videoplattformen andererseits angleichen?

Weil alle diese Medien Wettbewerber sind, für die gleiche Bedingungen gelten müssen. Das beste Beispiel ist der Umgang mit Werbung. Wenn ein Tatort-Kommissar mit einem von einem Hersteller gesponserten Auto vorfährt, muss dieses Sponsoring zumindest im Abspann genannt werden. Auf YouTube beispielsweise gibt es dagegen mittlerweile viele Stars – die sogenannten Influencer –, die beispielsweise Schminktipps für Mädchen geben und dabei die verwendeten Produkte in die Kamera halten. Die Influencer werden künftig auch angeben müssen, ob sie von den Herstellern finanziell oder durch Bereitstellung der Produkte unterstützt wurden.

Was genau sind sogenannte Influencer?

Influencer (vom englischen influence für Einfluss) lassen ihre Fans im Internet regelmäßig an ihrem Alltag teilhaben – und werben nebenbei für Produkte. Manche erreichen Millionen Menschen in den sozialen Netzwerken. „Für Unternehmen ist das ein wichtiges Marketingtool. Es geht um sehr viel Geld“, sagt Reiner Münker, Geschäftsführer der Wettbewerbszentrale. Dass es sich um Werbung handelt, ist allerdings nicht immer sofort erkennbar – und das ist aus Sicht der Wettbewerbszentrale ein Problem.

Noch ist der deutsche Markt im Vergleich zum milliardenschweren Gesamtwerbemarkt klein. Der 2017 gegründete Bundesverband Influencer Marketing (BVIM) schätzt das Bruttowerbebudget auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Die Zuwachsraten seien allerdings rasant.

Gibt es künftig denn mehr Werbung in den elektronischen Medien?

Bei den geplanten EU-Auflagen geht es nicht um mehr Werbung, wohl aber darum, sie kenntlich zu machen. Im Fernsehen bleibt es dabei, dass zwischen 18 Uhr und Mitternacht insgesamt 72 Minuten (sechs Mal zwölf Minuten) Reklame ausgestrahlt werden kann, wobei eine laufende Sendung nur alle 30 Minuten unterbrochen werden darf.

Auch beim Jugendschutz wird nachgebessert?

Das stimmt. Jugendgefährdende Inhalte müssen nun auch bei Streaming-Diensten oder von den Betreibern der Videoplattformen kenntlich gemacht werden. Außerdem fordert die EU Altersverifizierungssysteme, damit Eltern notfalls Filter zuschalten können, um ihre Kinder vor nicht geeigneten Beiträgen zu schützen. Wichtig ist aber, dass es keine Vorab-Kontrolle geben soll. Allerdings müssen Netflix und Amazon Prime ebenso wie andere Anbieter Beiträge entfernen, wenn die Aufsichtsbehörden feststellen, dass die Sendungen nicht für Jugendliche geeignet sind.

Die EU drängt darauf, europäische Produktionen stärker zu unterstützen. Was soll das?

Es gibt eine vergleichbare Regel bereits für die Fernsehsender. Die müssen ihr Angebot zu 50 Prozent mit europäischen Produktionen bestücken. Netflix und andere sollen künftig rund 30 Prozent europäischer Streifen im Angebot haben – derzeit sind es zwischen 18 und 24 Prozent. Der Hintergrund ist klar: In der EU gilt die Filmförderung als kultureller Auftrag. Wenn Videoplattformen vor allem amerikanische Produktionen zeigen, machen sie hier viel Geld, mit dem sie die eigene US-Filmindustrie unterstützen.

Und wenn eine Videoplattform sich weigert?

Es gibt die Möglichkeit, sich von der Verpflichtung freizukaufen. In diesem Fall müsste ein Unternehmen dann einen entsprechenden Betrag an den Filmförderfonds der EU zahlen, der wiederum hiesige Produktion mitfinanziert.

Wann treten die Neuregelungen in Kraft?

Die Zustimmung des Europäischen Parlamentes in der kommenden Woche gilt als sicher. Anschließend haben die Mitgliedstaaten 20 Monate Zeit, die Reform in nationales Recht zu übernehmen. (mit dpa)

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