Wirtschaft

Diesel-Skandal Ex-VW-Chef will sich äußern

Winterkorn kündigt Aussage an

Archivartikel

Wolfsburg/Berlin.Ex-VW-Konzernchef Martin Winterkorn will sich nach der Anklage und Ausstellung eines Haftbefehls in den USA laut Insidern bei passender Gelegenheit äußern. Er werde dann seine Sicht auf die schweren Vorwürfe im Abgasskandal umfassend schildern, sagte eine informierte Person gestern der Deutschen Presse-Agentur. Dies hänge aber vom Fortgang der Ermittlungen in Deutschland ab. Der neue VW-Chef Herbert Diess soll einem Medienbericht zufolge eine Vereinbarung mit der US-Justiz für „freies Geleit“ im Ausland haben.

Winterkorn fühle sich „nicht im Büßergewand“, sagte der Insider, der mit dem 70-Jährigen in Kontakt steht. Der ehemalige VW-Vorstandschef verfolge die aktuellen Schlagzeilen aufmerksam. Seine Familie gebe ihm viel Rückhalt. Auch einer seiner Anwälte erklärte, noch sei der Zeitpunkt einer Stellungnahme nicht genau absehbar.

Information vorab?

Die US-Justiz will Winterkorn wegen Betrugs in der Abgasaffäre zur Rechenschaft ziehen. Ihm wird zudem Verschwörung zum Verstoß gegen Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden vorgeworfen. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig unter anderem wegen Betrugsverdachts weiter gegen ihn.

Im weltgrößten Autokonzern gibt es nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen noch keine zeitlichen Festlegungen zur Aufarbeitung des Diesel-Skandals. Die Prüfung werde vorangetrieben, es gebe keine Vorfestlegungen irgendeiner Art, hieß es. Die Darstellung, es gebe im Kontrollgremium Unmut über die Arbeit von dessen Chef Hans Dieter Pötsch, wurde zurückgewiesen. Das „Handelsblatt“ hatte berichtet, VW rechne damit, die internen Untersuchungen erst Mitte 2019 abzuschließen.

Gegen den neuen VW-Konzernchef Diess liegt derweil in den USA offenbar kein strafrechtlich relevanter Verdacht im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal vor. Er habe einen Deal mit dem Justizministerium geschlossen, der ihm „freies Geleit“ bei Auslandsreisen sichere, berichtete der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf zwei eingeweihte Quellen. Dem Manager sei sogar versprochen worden, im Falle einer Klage gegen ihn vorab informiert zu werden.