Wirtschaft

Air Berlin Lufthansa übernimmt Großteil der insolventen Fluglinie / Wettbewerbsexperten fürchten steigende Ticketpreise / Konzernchef Spohr angriffslustig

"Wir wären blöd, das zu verpennen"

Berlin.Carsten Spohr verkündet seinen Triumph in der guten Stube Berlins: Im Fenster sieht man die Kuppeln des Gendarmenmarkts, dahinter Flugzeuge im Anflug auf Tegel. Es sei ein historischer Tag, sagt der Lufthansa-Chef, bevor er mehr als die Hälfte der insolventen Air Berlin übernimmt. Nach Frankfurt, München und Hamburg gibt die Lufthansa damit auch an den Flughäfen Berlin und Düsseldorf den Ton an. Mit reichlich politischem Rückwind hat der Kranich-Konzern seine Chance genutzt. "Wir wären blöd, wenn wir das verpennen", meint Spohr, der sich an diesem Tag noch ein bisschen mehr als "Herr der Lüfte" fühlen kann.

Durch die deutsche Regierung sei ein unglaubliches Monopol geschaffen worden, sagt dagegen der Ex-Rennfahrer und Airlinegründer Niki Lauda dem Sender n-tv. Er verweist auf den Kredit des Bundes, der Air Berlin trotz Insolvenz in der Luft hält. Zusammen mit dem Thomas-Cook-Ferienflieger Condor stand der Österreicher im Verkaufsprozess in der zweiten Reihe und musste erleben, wie die Lufthansa ihren von langer Hand vorbereiteten Coup durchzog. Weil der zweite bevorzugte Bieter Easyjet offenbar in letzter Minute noch den Kaufpreis drücken will, steigen die Chancen von Condor aber wieder, doch noch einige Jets aus dem abgestürzten Air-Berlin-Reich zu übernehmen.

Der gegenwärtige Börsen-Liebling Spohr muss bei seinem Meisterstück noch die kartellrechtlichen Hürden überwinden, die wegen der Größe des Deals in Brüssel stehen. Experten nehmen ihm seine forschen Sprüche nicht ab, dass die Eurowings konzernintern gegen die Lufthansa antreten werde und die Ticketpreise auch auf Monopolstrecken gedeckelt blieben. Der Vorstand sei nur seinen Aktionären verpflichtet, bemerkt der frühere Vorsitzende der Monopolkommission, Daniel Zimmer. "Wenn zwei Gesellschaften demnächst höhere Ticketpreise auf ganz bestimmten Strecken setzen können, wird der Vorstand dies anordnen."

Bis dahin wird die Europäische Kommission die Folgen der Übernahme für jede einzelne Strecke untersuchen. Im bis zu sechs Monate langen Kartellverfahren muss es nicht gleich zu einem Fusionsverbot wie vor einigen Jahren bei Ryanairs Versuch kommen, die irische Aer Lingus zu schlucken. Sehr viel wahrscheinlicher sind Auflagen für die Lufthansa, an bestimmten Strecken und Verbindungen Start- und Landerechte aufzugeben, die dann an die Konkurrenz gehen könnten.

"Die Wettbewerbsbehörden werden ein mögliches Monopol verhindern", sagte Achim Wambach, Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung und Vorsitzender der Monopolkommission dem "Tagesspiegel". Er riet der Lufthansa, den Kartellbehörden frühzeitig Zusagen machen.

Spohrs Mannschaft steht auch im Erfolgsfall vor einem organisatorischen Kraftakt. Neben den 81 Maschinen aus dem Bestand der Air Berlin muss auch die komplett übernommene Brussels Airlines aus Belgien in die Billigtochter Eurowings integriert werden - möglicherweise sogar eine "Alitalia Nuova", für die Spohr am Tag des Air-Berlin-Deals erstmals Interesse zeigte.

Carsten Spohr zelebriert gestern auch die Rückkehr nach Berlin, dem dynamischsten (Billig-)Markt in Europa. Der Konzernchef erinnert an 1926, als die Lufthansa in Berlin gegründet wurde, an Kriegsende und deutsche Teilung, während der die Kranichlinie nicht in die geteilte Stadt fliegen durfte, dafür aber die von einem US-Piloten gegründete Air Berlin. Nun erst werde der Lufthansa-Konzern wieder Marktführer in der Hauptstadt, vor allem mit der Tochter Eurowings.

Aus ihrer Genugtuung gegenüber der Konkurrenz vom Golf macht die Lufthansa kein Hehl. "Zwei Milliarden Euro sind aus Abu Dhabi geflossen, um den großen Wettbewerber Lufthansa zu bekämpfen", verweist Spohr darauf, dass die chronisch klamme Air Berlin jahrelang nur durch Geldspritzen des Großaktionärs in der Luft gehalten wurde, der arabischen Staatsairline Etihad. "Zum Schluss hat alles nicht geholfen", sagt Spohr mit einem Lächeln.

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