Wirtschaft

Südzucker Französische Mitarbeiter und Landwirte protestieren vor Mannheimer Zentrale gegen Schließungen / Auch Politik schaltet sich ein

„Wir werden die Rübe nicht aufgeben“

Mannheim.Die Trikolore flackert im Wind. Auch bekannt als Bleu-Blanc-Rouge (Blau-Weiß-Rot), steckt die Flagge auf einem Podest. Daneben steht der Präsident der französischen Gewerkschaft der Zuckerrübenbauer (CGB), Franck Sander – unter der markanten Skulptur von Südzucker in der Mannheimer Oststadt. Es sieht aus, als würde er von der Trikolore umschlungen – während er ins Mikrofon spricht.

Knallkörper und Tröten

„Wir haben die Anforderungen von Südzucker erfüllt. Damals wollten sie, dass wir die Anbaugebiete ausweiten. Da ist es inakzeptabel und überraschend, dass sie nun zwei Fabriken schließen.“ Man habe auch nicht mit den Zuckerrübenbauern oder der Politik gesprochen, erklärt Sander. Vor ihm versammeln sich rund 200 Demonstranten. In orangefarbenen Westen und mit Plakaten machen sie ihrem Unmut Luft. Das zeigt sich auch in den Knallkörpern, die sie zünden. Oder in den Trötenklängen, die sich unweigerlich hart ihren Weg ins Ohr bahnen. Es sind die französischen Landwirte und Mitarbeiter jener Zuckerfabriken, die der Konzern in Eppeville und Cagny schließen wird. „Südzucker gibt französische Rübenbauern auf“, heißt es etwa. Oder: „Nein zur Schließung der Südzucker-Fabrik in Eppeville“. Laut der Gewerkschaft wären 250 Arbeitsplätze betroffen. 2500 Landwirte verlören etwa 40 Prozent ihres Einkommens.

Am 22. März will die Gewerkschaft mit dem Südzucker-Vorstand in Straßburg verhandeln. Auch die Politik in Frankreich unterstütze die Proteste der Gewerkschaft. „Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire und Wirtschaftsminister Didier Guillaume haben den Südzucker-Vorstand zu sich bestellt“, so Sander. „Wenn der Vorstand nicht von seinen Plänen ablässt, wollen wir die Flächen und Werke übernehmen“, sagt Sander. „Wir werden die Rübe nicht aufgeben.“

Sowieso, erklärt der Gewerkschaftschef, hätten die Franzosen ein anderes Verständnis vom Zuckermarkt als die Deutschen: „Man muss sich die Entwicklungen im Zehn-Jahres-Rhythmus anschauen.“ So laufe es viele Jahre gut, und ein paar schlecht. „Wir haben drei harte Jahre hinter uns, aber der Markt ist nicht gesättigt“, so Sander. Die Regionen Calvados, Somme und Eure – alle in der Normandie – seien, klimatisch und wirtschaftlich gesehen, die besten in Frankreich.

Dass diese Proteste, wie sie bereits vor zwei Wochen in Cagny , Eppeville und in Mannheim stattgefunden hatten (wir berichteten), wenig nützen werden, bestätigt Südzucker-Sprecher Dominik Risser. „Unsere Beschlüsse sind gefasst“, sagt er dieser Zeitung. „Es gibt viele Einflussfaktoren, die uns dazu zwingen.“ Unter anderem historisch niedrige Preise und extreme Wettbewerbsverzerrungen durch Subventionen für den nicht-europäischen Zuckermarkt. In Deutschland will Südzucker die Werke in Brottewitz und Warburg schließen.

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