Wirtschaft

Konjunktur Ökonomen sehen Tiefpunkt der Rezession im zweiten Quartal erreicht / Einbruch durch Corona-Pandemie womöglich geringer als in der Finanzkrise

Wirtschaft könnte glimpflich davonkommen

Archivartikel

Halle/Mannheim.Die überraschende Erkenntnis der Corona-Krise: Im Lockdown haben die Deutschen besser geschlafen als davor. Das haben Wirtschaftsforscher drei Monate nach Beginn der Reise- und Kontaktbeschränkungen herausgefunden. Tatsächlich kommt das Land aus Sicht mehrer Institute noch relativ glimpflich durch die schwere Corona-Rezession.

„Die deutsche Wirtschaft wurde von der Pandemie schwer getroffen“, stellte das Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) fest. „Allerdings ist der Einbruch nicht so tief wie in den großen Nachbarländern im Euroraum, wo die Zahl der Erkrankungen und Sterbefälle relativ zur Bevölkerung höher liegt.“ Die Essenz des Konjunkturberichts: „Die Rezession dürfte im zweiten Quartal an ihrem Tiefpunkt sein, denn die Epidemie ist im Mai und Juni zurückgegangen und die Restriktionen wurden gelockert.“

Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im Juni bereits den dritten Monat in Folge verbessert. Wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte, stieg der von ihm erhobene Indikator um 12,4 Punkte auf 63,4 Zähler. Dies ist der höchste Wert seit März 2006. „Die Zuversicht nimmt zu, dass die konjunkturelle Talsohle im Sommer 2020 durchschritten sein wird“, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach.

Diese Erwartungen stehen aber unter dem Vorbehalt, dass es keinen starken Wiederanstieg der Corona-Erkrankungen im Herbst gibt. Dass die Restriktionen schrittweise aufgehoben werden, könne einen deutlichen Anstieg der Infektionszahlen nach sich ziehen, heißt es beim IWH.

Aktuell geben sich die IWH-Ökonomen relativ optimistisch, indem sie mit einem Rückgang des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 5,1 Prozent rechnen, gefolgt von einem Aufschwung in der Größenordnung von 3,2 Prozent im Jahr 2021. Zum Vergleich: 2009 war die Wirtschaft infolge der globalen Finanzkrise um 5,7 Prozent eingebrochen. 2010 und 2011 legte das BIP dann um 4,2 und 3,9 Prozent zu. 

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