Wirtschaft

Konjunktur Bruttoinlandsprodukt wächst im vierten Quartal 2020 um 0,1 Prozent / Gedämpfte Erwartungen in der Region

Wirtschaft schafft Mini-Plus

Archivartikel

Wiesbaden/Mannheim.Die deutsche Wirtschaft ist bislang mit einem blauen Auge durch den zweiten Corona-Lockdown gekommen. Die erneuten Beschränkungen des öffentlichen Lebens bremsten zwar die Konjunkturerholung zum Jahresende 2020, die zunächst befürchtete deutliche Eintrübung blieb aber aus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im vierten Quartal minimal um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag anhand vorläufiger Daten mitteilte. Tiefere Spuren dürfte der Lockdown Ökonomen zufolge allerdings in den ersten drei Monaten dieses Jahres hinterlassen.

Industrie erholt sich robust

Besonders betroffen von den Beschränkungen des öffentlichen Lebens war nach Angaben der Wiesbadener Behörde zum Jahresende der private Konsum. Die Warenexporte und die Bauinvestitionen stützten die Konjunktur hingegen. Das leichte Plus beim Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal zeige, „dass die deutsche Wirtschaft zunehmend gelernt hat, mit den Kontaktbeschränkungen umzugehen“, erläuterte Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung. Vor allem die Industrie erhole sich derzeit robust. Im ersten Lockdown im Frühjahr war die Wirtschaftsaktivität noch abgestürzt.

„Die deutsche Wirtschaft ist mit einem blauen Auge davon gekommen“, analysierte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski mit Blick auf die letzten drei Monate 2020. Angesichts des aktuellen Lockdowns und der Impfsituation sei es allerdings schwer vorstellbar, dass die gleiche Zauberkunst im laufenden Quartal gelinge.

Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im Zeitraum Januar bis März 2021 schrumpft. „Auch wenn die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal dem Lockdown getrotzt hat, rechnen wir für das erste Quartal weiter mit einem Minus“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Der Lockdown betreffe seit Mitte Dezember auch den Einzelhandel.

Dies spiegelt sich auch in der Stimmung der Unternehmen in der Metropolregion Rhein-Neckar zum Jahresbeginn wieder, die insgesamt gedrückt ist. Das zeigt die erste Auswertung der Konjunkturumfrage der IHK Metropolregion Rhein-Neckar, über die die beteiligten Kammern am Freitag berichteten. Der Konjunkturklimaindex ist demnach gegenüber dem Vorjahr um 18 Punkte auf aktuell 96 Punkte gesunken. An der gemeinsamen Umfrage der Industrie- und Handelskammern Rhein-Neckar, Pfalz, Darmstadt und Rheinhessen – die unter der Kooperationsmarke IHK Metropolregion Rhein-Neckar zusammenarbeiten – haben sich 942 Unternehmen beteiligt.

„Die Lageeinschätzung der Unternehmen hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verschlechtert“, sagte Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar. „Die Bremsspuren durch das Corona-Virus sind deutlich.“ 71 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihre Geschäfte schlecht oder bestenfalls befriedigend laufen. Die Industrie komme mit vergleichsweise geringen Blessuren davon, das Auslandsgeschäft läuft den IHK-Angaben zufolge insgesamt „erstaunlich positiv“. Die Industrie erweise sich damit ein weiteres Mal als „Stabilitätsanker“ und sei wieder das „Zugpferd für die industrienahen Dienstleister“.

Gastgewerbe, Reisegewerbe, der Veranstaltungssektor und Teile des Einzelhandels liegen dagegen „am Boden“, hieß es in der IHK-Mitteilung weiter: „Die teils rigiden Maßnahmen der Pandemiebekämpfung verhageln bei den Unternehmen auch die Zukunftserwartungen, vor allem dämpfen sie die Investitionslaune.“ (mit fas)

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