Wirtschaft

Schlichtungsstelle Immer mehr Verbraucher bitten wegen Problemen mit Flugreisen um Hilfe / Rekord-Anfragen im Juli

Zahl der Beschwerden steigt drastisch

Berlin.Heinz Klewe und seine Mitarbeiter sind gefragt wie nie zuvor. Für die nächsten Wochen rechnet er mit noch mehr Arbeit. „Ich sehe noch einiges auf uns zukommen“, sagt der Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP). Die SÖP ist als öffentliche Schlichtungsstelle für Bahn, Luftverkehr, Fernbus und Schiff anerkannt. Sie hilft auch Fluggästen weiter, die Entschädigungen für eine Verspätung oder Ausfälle einfordern wollen.

Das aktuelle Chaos am Himmel sorgt dafür, dass sich immer mehr frustrierte Passagiere an die SÖP wenden. Im ersten Halbjahr 2018 gingen 7745 Schlichtungsanträge von Fluggästen ein – 45 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Im Juli hat das nicht nachgelassen – im Gegenteil“, so Klewe. Im vergangenen Monat gingen 2873 Anträge ein, das sind 175 Prozent mehr als im Juli 2017. Um der wachsenden Nachfrage Herr zu werden, ist das Team der SÖP mittlerweile auf über 40 Mitarbeiter verstärkt worden.

Jetzt erst Hochsaison

Klewe rechnet damit, dass die Antragsflut im zweiten Halbjahr noch drastisch zunimmt, wenn sich – nach der Hochsaison mit den unzähligen Verspätungen – viele der betroffenen Urlauber an die SÖP wenden. Mit guten Aussichten auf Erfolg: Die Schlichtungsquote, also der Anteil der Fälle mit einer erfolgreichen Beilegung des Streits, lag im ersten Halbjahr bei 81 Prozent.

Das kostenlose Verfahren beginnt mit einem Antrag auf Schlichtung, nachdem der Fluggast zuvor bei der Fluglinie mit seiner Entschädigungsforderung gescheitert ist. Auf der Website der SÖP wird den Reisenden dazu ein Formular angeboten, was eine schnellstmögliche Bearbeitung des Schlichtungsantrags ermöglicht. In Zweifelsfällen holt der Schlichter, in der Regel ein Jurist, Stellungnahmen von Unternehmen und Antragsteller ein.

„Wir sind gut aufgestellt, alle Schlichter haben die Befähigung zum Richteramt“, sagt Klewe. Begründet eine Fluglinie zum Beispiel die Verspätung mit schlechtem Wetter, prüft das der Schlichter mit offiziellen Wetterdaten nach. In der Regel dauert ein Verfahren 90 Tage. Am Ende steht meist ein Schlichterspruch. Das Verfahren ist beendet, wenn beide Seiten die Empfehlung des Schlichters annehmen. Diese Erklärung zur Einigung ist bindend wie bei einem gerichtlichen Vergleich.

Kunden von Airlines, die sich nicht der SÖP angeschlossen haben, wie British Airways, werden von der Schlichtungsstelle Luftverkehr im Bundesamt für Justiz aufgefangen. Das ebenfalls kostenfreie Verfahren läuft ähnlich ab wie bei der SÖP. Einer Sprecherin zufolge haben sich die Verfahren seit 2014 verdoppelt.

Info: https://soep-online.de www.bundesjustizamt.de