Wirtschaft

Insolvenzverschleppung Wirtschaftsprüfer der Staatsanwaltschaft ohne Belege dafür, dass Angeklagter das Sagen in den Pleite-Unternehmen hatte

Zeuge: Hoffmann kein faktischer Geschäftsführer

Archivartikel

Mannheim.Im Gerichtssaal werden sie wohl keine Freunde mehr: Auch am Dienstag kabbeln sich der Vorsitzende Richter Ulrich Bunk und Verteidiger Ulrich Sommer während der Hauptverhandlung vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer des Mannheimer Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Mannheimer Konzertveranstalter Matthias Hoffmann Insolvenzverschleppung vor. Weil dieser sich nach einer Herz-OP einer Reha unterzieht und nach eigenen Angaben dem Prozess nur für kurze Zeit folgen kann, stellt Sommer am Dienstag vor der Mittagspause einen Antrag auf Vertagung.

Bunk wittert eher Prozessverschleppung und verweist auf den Gutachter, der nur „Marathonverhandlungen“ ausschließt. Länger als zwei Stunden kann der Angeklagte nach seiner Einschätzung schon das Geschehen verfolgen. Und die Reha-Maßnahmen müssten sich – so Bunk – nach dem Prozess richten und nicht umgekehrt. Sommers Anträge bleiben erfolglos.

Auch der Versuch des Verteidigers, die Aussage des einzigen Zeugen zu verhindern, geht ins Leere. Geladen ist der Wirtschaftsreferent Joachim Krauß. Das gefällt Sommer nicht, denn der Zeuge steht auf der Gehaltsliste der Staatsanwaltschaft und ist in der Causa Hoffmann selbst als Ermittler tätig gewesen. Wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung hat Krauß nach eigenen Angaben die Bücher der Afrika! Zirkus- & Veranstaltungs GmbH & Co. KG und der Cotton-Club Dinnershow GmbH & Co. KG. durchforstet. „Er gehört deshalb nicht auf die Zeugenbank, er sollte neben dem Staatsanwalt sitzen“, kritisiert Sommer. Ankläger Alexander Oberdiek entgegnet, Krauß solle ja nur seine Wahrnehmungen bei der Durchsicht der Bücher schildern. „Das wird er aber nur durch die Brille der Staatsanwaltschaft machen“, argumentiert Sommer, der deshalb wieder einen Kammerbeschluss anstrengt – aber er kommt auch damit nicht durch.

Dass die Aussage des Wirtschaftsprüfers im Wesentlichen die Vorwürfe der Anklage widerspiegelt, ist kein Wunder. Denn die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklageschrift ja auch auf dessen Erkenntnisse. Am interessantesten ist deshalb, was Krauß in seiner Aussage zunächst unerwähnt lässt. Erst auf Nachfrage des Verteidigers sagt Krauß, er habe prüfen sollen, ob Matthias Hoffmann faktischer Geschäftsführer der Afrika GmbH war. Dafür habe er aber keine Hinweise gefunden. Das ist nicht gut für den Staatsanwalt. Denn Oberdiek hat Hoffmann wegen dieses Verdachts angeklagt und nicht die Ehefrau. Faiza Hoffmann war angeblich nur pro forma Geschäftsführerin, das Sagen hatte demnach der Ehemann. Wenn das nicht stimmt, kann die Staatsanwaltschaft einpacken. Bild: Christoph Blüthner

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