Wirtschaft

Zu wenig Ehrgeiz

Wenn es um die ganz großen Fische im Teich der Kriminalität geht, hat die Bundesrepublik lange Zeit erstaunlich wenig Ehrgeiz an den Tag gelegt. Die Staatsanwälte anderer Länder verzweifelten immer wieder, weil ihre Täter Erträge aus Korruption, Rauschgift- oder Waffengeschäften ohne großen Fahndungsdruck in Deutschland anlegen konnten. Erst die europäischen Vorgaben für den Kampf gegen Geldwäsche haben daran etwas geändert – doch noch immer ist der Erfolg mäßig. Treffen die Expertenschätzungen zu, denen zufolge mehr als zehn Prozent des Immobilienumsatzes in Deutschland auf Geldwäsche zurückgehen, wäre dies ein Zeichen für erhebliches Behördenversagen.

Unverständlich ist beispielsweise, warum Käufer von Immobilien ihre Namen nicht preisgeben müssen. Offenbar muss Deutschland erst wieder von der Europäischen Union mit strengeren Vorgaben zur Tat bewegt werden. Besser wäre eine aktive Rolle des Staates von sich aus. Das bedeutet, die Geschäfte der Geldwäsche offenzulegen, zum Beispiel indem mehr Personal eingesetzt wird. Sonst bleibt der weit verbreitete Eindruck haften, dass man die Kleinen hängt und die Großen laufen lässt.