Wirtschaft

Zu wenig starke Sprüche

Archivartikel

BMW steht nicht vor einer Pleite – ganz im Gegenteil: 2018 erwirtschaftete der Konzern 7,2 Milliarden Euro Überschuss, was eine Dividende von 3,50 Euro je Aktie zur Folge hatte. Dennoch scheint die Nervosität beim bislang erfolgreichsten deutschen Autobauer groß zu sein. 7,2 Milliarden Euro sind eben nur der zweithöchste Überschuss und 3,50 Euro nur die zweithöchste Dividende. Offensichtlich Grund genug, unruhig zu werden und sich durch Kritik verunsichern zu lassen. So wurde etwa auf der Hauptversammlung bemängelt, BMW agiere beim Umstieg auf Elektromobilität zu zögerlich und fege Tesla nicht aus dem Markt.

Die Folge: Vorstandschef Harald Krüger muss gehen. Vielleicht hat er nicht genug den durchsetzungsstarken Macho gegeben und nicht genug forsche Sprüche geklopft. Krüger ist ein Mann des Ausgleichs, des Mittelwegs, der allerdings – wie man weiß – in größter Not den Tod bringen kann. Die Frage, die hinter der Personalie steht, ist eine strategische: Wie sieht die individuelle Mobilität der Zukunft aus? Ist sie tatsächlich rein elektrisch und autonom? Wer hier den richtigen Riecher hat, gewinnt den Jackpot. Und wer falsch liegt, setzt Milliarden in den Sand. Krügers Kritikern ging der Umstieg auf die E-Mobilität nicht schnell genug, bei ihnen machte sich angesichts der Offensive von Volkswagen und anderen Panik breit. Deshalb wechselt BMW mitten im Spiel den Trainer aus – das Ergebnis ist offen.