Wirtschaft

Volkswagen Konzernchef Herbert Diess künftig für Geschäfte im Reich der Mitte verantwortlich

„Zukunft entscheidet sich in China“

Peking.China soll nach den Plänen von VW-Chef Herbert Diess künftig eine wichtigere Rolle für den Autokonzern spielen. „Die Zukunft von Volkswagen wird sich auf dem chinesischen Markt entscheiden“, sagte Diess, der in diesem Monat die strategische Führung des China-Geschäfts übernehmen wird, gestern.

Dass er China zur Chefsache erklärt hat, begründete Diess dabei mit den Veränderungen, die sich derzeit auf dem größten Automarkt der Welt abspielen. Über viele Jahre hätten internationale Autobauer ihre Technologie von außen auf den chinesischen Markt gebracht. Doch nun spiele sich Innovation zunehmend direkt in China ab, wo Fähigkeiten etwa in der E-Mobilität oder bei selbstfahrenden Autos schon „weit entwickelt“ seien. Dies sei auch Folge eines Plans der chinesischen Führung, die dabei sei, das Land zu einem „internationalen Kraftzentrum der Autoindustrie“ zu entwickeln.

Zusätzliche Ressourcen

„Wir werden Fähigkeiten, die wir heute nicht haben, vor allem in China aufbauen“, sagte Diess. Notwendig seien dabei etwa „viel engere Beziehungen“ mit chinesischen Technologie-Konzernen. Volkswagen werde seine Forschungsaktivitäten in Deutschland nicht zurückfahren, was Arbeitsplätze gefährden würde. Stattdessen sollen zusätzliche Ressourcen in China aufgebaut werden.

Diess, der im vergangenen Jahr etwa 20 Tage in China verbracht habe, ging davon aus, dass er künftig etwa doppelt so viel Zeit in der Volksrepublik verbringen werde. Zunächst werde er für den Umbau der Geschäfte an einer Gesamtstrategie arbeiten, zu der im laufenden Jahr Details verkündet werden sollen. Das Tagesgeschäft in China wird künftig Stephan Wollenstein führen. Jochem Heizmann, der bisherige China-Vorstand, geht Mitte Januar in den Ruhestand. Wollenstein kündigte gestern an, dass er trotz eines derzeit schwachen Marktumfelds „zuversichtlich“ für weiteres Wachstum sei. Obwohl der chinesische Gesamtmarkt 2018 erstmals seit Jahrzehnten rückläufig war, habe der VW-Konzern Marktanteile gewonnen. Die Einführung neuer Modelle werde auch in diesem Jahr zu einem Absatzplus in China führen.

Als Antwort auf den sich schnell entwickelnden Markt für E-Autos in China hatte Volkswagen in den letzten Jahren milliardenschwere Investitionen angekündigt.

Die chinesische Regierung will erreichen, dass bis 2020 fünf Millionen Autos mit elektrischem Antrieb auf Chinas Straßen fahren. dpa