Wirtschaft

Finanzen Auszubildende müssen ihre ersten eigenen Versicherungen abschließen / Diese Policen sind wichtig

Zum Start gut abgesichert

Dortmund/mannheim.Der Beginn der Berufsausbildung zum 1. September ist für viele junge Menschen nicht nur ein großer Schritt ins Berufsleben, sondern oft auch zu größerer Selbstständigkeit. Dazu gehören einige Entscheidungen, die auf den ersten Blick kompliziert aussehen - es aber beim näheren Hinsehen nicht sind. Was sollten angehende Auszubildende bei Finanzen und Versicherungen beachten? Folgend ein Überblick:

Girokonto: Wer arbeitet, bekommt Lohn, und dieser muss irgendwohin überwiesen werden. "Lohntüten wie früher gibt es nicht mehr", sagt Dirk Vohwinkel, Bildungsreferent bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Dortmund. Also braucht jeder Auszubildende ein Girokonto bei einer Bank - wenn er oder sie noch keines hat. Bei der Auswahl des Instituts und des Kontos sollte man darauf achten, dass die Kosten möglichst gering sind. Manche Banken bieten kostenfreie Girokonten für Azubis an.

Berufsausbildungsbeihilfe: Viele Auszubildende erhalten Löhne, die ihre Lebenshaltungskosten decken - selbst wenn sie sich eine eigene Wohnung leisten. Ist das nicht der Fall, können Azubis bei der regional zuständigen Arbeitsagentur Berufsausbildungsbeihilfe beantragen. Bei niedrigen Ausbildungsvergütungen von beispielsweise 400 Euro monatlich besteht die Chance, dass der junge Arbeitnehmer größenordnungsmäßig 150 Euro vom Staat dazubekommt. Der Sinn der Sache besteht darin, das Existenzminimum zu decken und die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Berufswahl zu gewährleisten.

Kindergeld: Ein willkommenes Zubrot zum Azubi-Lohn ist das Kindergeld - für das erste und zweite Kind zum Beispiel jeweils 192 Euro. Dieses wird bei der ersten Ausbildung, die man absolviert, weitergezahlt bis längstens zum 25. Geburtstag. Die Eltern müssen es allerdings bei den regionalen Familienkassen, die bei den Arbeitsagenturen angesiedelt sind, neu beantragen. In vielen Familien ist es üblich, dass die Eltern diese Einnahme an ihre erwachsenen Kinder weiterreichen.

Haftpflichtversicherung: Sie ist auf alle Fälle anzuraten. Die Haftpflichtversicherung kann zum Beispiel eintreten, wenn man durch Unachtsamkeit Verletzungen anderer Menschen verursacht, die hohe Arztkosten nach sich ziehen. Wichtig hierbei: Haben die Eltern bereits eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, so gilt diese in der Regel während der Erstausbildung ihrer Kinder auch für diese weiter, erklärt der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV). Die Lehrlinge müssen dann keine eigene Haftpflicht kaufen. Das sollten sie nur dann tun, wenn die Eltern nicht über einen solchen Vertrag verfügen.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Oft heißt es, eine Berufsunfähigkeitsversicherung sei unbedingt nötig. Solche Policen sind die Voraussetzung für eine selbst angesparte Rente in dem Fall, dass man wegen Krankheit vorzeitig nicht mehr arbeiten kann und mehr Geld ausgeben möchte als das staatlich abgesicherte Existenzminimum. Um eine akzeptable Auszahlung von etwa 1500 monatlich zu erhalten, muss man allerdings mit Beiträgen von 40 bis 50 Euro oder mehr pro Monat rechnen - für viele Azubis keine kleine Summe. IHK-Berater Vohwinkel sagt: "Jeder muss sich selbst Gedanken machen, ob das für ihn wirklich sinnvoll ist."

Unfall- und Krankenversicherung: Ebenfalls skeptisch ist Vohwinkel bei Angeboten für Unfallversicherungen. Einerseits sei jeder Arbeitnehmer sowieso Pflichtmitglied in einer Krankenversicherung, andererseits übernähmen die Berufsgenossenschaften, denen die Betriebe angehören, die Folgekosten von Arbeitsunfällen, sagt der Berater. Alle Beschäftigten in Deutschland müssen Mitglieder in einer Krankenversicherung (KV) sein. Dies gilt auch für Auszubildende. Für sie existieren zwei Wege. Entweder sie bleiben einfach in der Krankenversicherung, in der sie bereits über ihre Eltern versichert sind. Oder sie wählen selbst eine andere gesetzliche Krankenversicherung aus. Dieses Wahlrecht müssen sie bis spätestens 14 Tage nach Ausbildungsbeginn ausüben. Aber vorsicht: Auf die Kosten achten! Eine private Krankenversicherung dürfen sie sich nicht aussuchen. Wenn die Azubis über ihre Eltern allerdings bereits Mitglieder einer privaten Krankenversicherung sind, können sie den Vertrag ruhen lassen, um ihn später eventuell wieder aufzunehmen.

Steuer-Identifikationsnummer: Für den Berufsstart nötig ist die individuelle Steuer-Identifikationsnummer, die jedem Bundesbürger zugeordnet wird. Der Ausbildungsbetrieb wird danach fragen. In den Unterlagen der Eltern sollte sich ein Schreiben des Bundeszentralamts für Steuern finden, das die Nummer für das Kind bereits mitgeteilt hat. Ansonsten ruft man das Amt an. Die individuelle Sozialversicherungsnummer, die der Betrieb ebenfalls braucht, bekommt man auf Verlangen von der Deutschen Rentenversicherung zugeschickt.