Wirtschaft

Volkswagen Nutzfahrzeug-Chef forciert Partnerschaft mit Rivalen Ford / Betriebsrat warnt vor Nachteilen für Arbeitnehmer

Zusammenarbeit unter Bedingungen

Archivartikel

Wolfsburg/Hannover.Der Chef der Volkswagen-Nutzfahrzeuge, Thomas Sedran, sieht in einer möglichen Partnerschaft mit dem Rivalen Ford möglicherweise Vorteile für beide Seiten. „Aus unserer Sicht wäre es für beide Seiten sinnvoll, stärker zusammenzuarbeiten, um am Ende vor allem die Elektrifizierung unserer Flotten zu stemmen.“ Gemeinsam haben VW und Ford in Europa einen Marktanteil von etwa 30 Prozent.

Betriebsratschef Bernd Osterloh sprach sich aber nur unter bestimmten Voraussetzungen für die geplante Nutzfahrzeug-Kooperation aus. Die Auslastung im Nutzfahrzeug-Werk in Hannover müsse stimmen, sagte Osterloh. „Es muss wirtschaftlichen Nutzen bringen, darf aber natürlich keine Arbeitsplätze gefährden.“

Sedran sagte, er sei zuversichtlich, „dass wir gegen Ende des Jahres konkreter werden können“. Er betonte, eine Kooperation werde nicht zulasten der Beschäftigten gehen. Gleichzeitig bereitet das Projekt im Transporterwerk Hannover Sorgen. Das „Handelsblatt“ berichtete, Teile der Transporterproduktion könnten künftig in das türkische Ford-Werk in der Nähe von Istanbul verlagert werden.

Im Juni war bekannt geworden, dass Volkswagen seine Kräfte bei der Entwicklung von Nutzfahrzeugen mit dem US-Hersteller Ford bündeln will. Ziel einer Kooperation wäre es vor allem, Kosten in Entwicklung und Produktion zu sparen – auch vor dem Hintergrund steigenden Regulierungsdrucks. Neue EU-Regeln stellen die Transporter-Hersteller in Europa vor große Herausforderungen: Ab 2020 gelten für sie schärfere Grenzwerte beim CO2-Ausstoß.

Osterloh sagte zu der Kooperation: „Wenn es uns bei den Entwicklungskosten hilft und Synergien bei der Zusammenarbeit bedeutet, dann sehen wir das positiv.“ Fest stehe: Die Auslastung müsse da sein, „sonst können wir dem im Aufsichtsrat nicht zustimmen. Er betonte zudem: „Manchen auf der Unternehmensseite muss das vielleicht noch einmal in Erinnerung gerufen werden: Für die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat steht fest, dass die Transporter-Baureihe genauso zu Hannover gehört wie der Golf zu Wolfsburg.“

Elektrifizierung kommt

Osterloh erklärte, im „Zukunftspakt“ genannten Sparpaket seien feste Auslastungszahlen für die Werke vereinbart. Der Manager kündigte an, dass die gesamte Palette der leichten Nutzfahrzeuge elektrifiziert werde. „Die Emissions-Grenzwerte und ihre Umsetzung bedeuten für uns eine große Anstrengung – schon ab 2020. Die ist mit hohen Aufwendungen verbunden.“

Dieselmotoren als Antrieb für große und schwere Fahrzeuge sind auf der Langstrecke aus Sedrans Sicht nicht zu ersetzen. „Ich bin der festen Überzeugung: Irgendwann müssen wir in der Lage sein, uns CO2-neutral zu bewegen. Aber das wird noch nicht 2025 sein.“ dpa