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Die Arbeitswelt verändert sich ständig. Technische Innovationen bringen immer wieder neue Möglichkeiten mit sich, nationale Grenzen sind durch die Globalisierung in der Wirtschaftswelt schon lange nahezu bedeutungslos geworden. Das bringt auch vielfältige Anforderungen an die Beschäftigten mit sich. Firmen brauchen Mitarbeiter, die Verträge auf Englisch lesen und Verhandlungen in China führen können. Die in der Lage sind, neue Generationen von Maschinen zu bedienen und in ihrem Fachgebiet immer auf dem neuesten Stand sind.

Für viele Arbeitnehmer steht deshalb früher oder später das Thema Weiterbildung im Raum. Sei es, weil sich ihr Berufsbild stark verändert, weil sie nach einer beruflichen Auszeit wieder einsteigen wollen oder einen Karrieresprung anstreben.

Doch Weiterbildung kostet Geld - und das teilweise nicht zu knapp. Je nach Qualität, Dauer und Anbieter kommen schnell ein paar tausend Euro zusammen. Wer eine Weiterbildung plant, sollte sich deshalb genügend Zeit nehmen, um vorab die wichtigsten Fragen zu klären.

Welche Weiterbildung passt zu mir?

Damit das Geld für die Weiterbildung optimal eingesetzt wird, sollte diese Frage natürlich an erster Stelle stehen. Deshalb gilt es, möglichst konkret herauszuarbeiten, welche zusätzlichen Fähigkeiten und Kenntnisse benötigt werden, um das persönliche Weiterbildungsziel zu erreichen. Beschäftigte, die sich innerhalb ihrer Firma weiterentwickeln wollen, können dazu beispielsweise auch ein Gespräch mit dem Vorgesetzten führen.

Die gewünschten Inhalte der Weiterbildung sind aber nicht das Einzige, was Interessierte vorher festlegen sollten. Auch die Form der Weiterbildung muss zu den individuellen Bedürfnissen passen. Wie viel Zeit kann und will ich aufwenden? Liegt mir ein Online-Kurs oder möchte ich lieber klassischen Präsenzunterricht? Zu welchen Zeiten kann ich überhaupt einen Kurs besuchen, wenn ich gleichzeitig noch einen Job und Familie habe?

Wie finde ich den richtigen Anbieter?

Steht fest, wie Form und Inhalt der Weiterbildung aussehen sollen, geht es an die konkrete Anbietersuche. Hier wartet die nächste Herausforderung: Denn auf dem Markt tummeln sich unzählige Wettbewerber. Allein in der Region ist das Spektrum riesig: Abendakademie Mannheim, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer sowie zahlreiche private Einrichtungen sind mit Angeboten am Markt. Dazu kommen überregionale Institutionen und Online-Anbieter.

Doch woher weiß ich, welcher Kurs wirklich gut ist? Nach Angaben der Stiftung Warentest werben viele Bildungseinrichtungen zwar mit Qualitätssiegeln - ein verlässliches Kriterium dafür, dass ein konkretes Seminar oder ein Kurs tatsächlich taugt, sind diese nach Einschätzung der Tester aber nicht. Andersherum bedeute die Tatsache, dass ein Bildungsinstitut kein Qualitätssiegel habe, nicht automatisch, dass es schlecht ist.

Die Warentester raten deshalb, dem Anbieter vorab mit einer Reihe von Fragen auf den Zahn zu fühlen - am besten im persönlichen Gespräch. So sollte man sich unter anderem erklären lassen, welche fachlichen und pädagogischen Fähigkeiten die Lehrkräfte haben. Auch wie groß die Gruppe ist, welche Vorkenntnisse Teilnehmer mitbringen müssen und ob am Schluss eine Prüfung ansteht, sollte man klären. Zur Orientierung hat Stiftung Warentest eine Checkliste mit Fragen zusammengestellt, die man im Internet einsehen kann (siehe Info-Kasten).

Wo bekomme ich finanzielle Unterstützung?

Steht die Weiterbildung direkt in Zusammenhang mit einem aktuellen Job, lohnt es sich, zunächst einmal beim Arbeitgeber nachzufragen. Eventuell ist dieser bereit, die Kosten für eine Schulung ganz oder teilweise zu übernehmen, wenn er durch die Weiterbildung einen Nutzen für sein Unternehmen sieht.

Auch vom Staat gibt es unter Umständen Geld, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. So gibt es seit Ende 2008 den sogenannten Prämiengutschein. Beschäftigte, die über 25 Jahre alt sind und ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von maximal 20 000 Euro haben, können damit einen Zuschuss von bis zu 500 Euro für eine Weiterbildung bekommen. Diese darf allerdings insgesamt nicht mehr als 1000 Euro kosten. Auch wer in Eltern- oder Pflegezeit ist, kann den Prämiengutschein erhalten. Wer Interesse hat, muss vorher ein Gespräch bei einer Beratungsstelle führen.

Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen können wiederum einen Bildungsgutschein beantragen. Ob er bewilligt wird, entscheidet die zuständige Agentur für Arbeit. Gibt sie grünes Licht, werden die Kosten für die Weiterbildung komplett übernommen. Vorher wird genau festgelegt, welches Ziel mit der Schulung erreicht werden soll und wie lange sie dauern darf.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Förderinstrumente, unter anderem auch in Form von günstigen Krediten.

Habe ich Anspruch auf Urlaub, um mich weiterzubilden?

Möglicherweise ja. In Baden-Württemberg gilt seit dem 1. Juli 2015 das Bildungszeitgesetz. Es gibt Beschäftigten das Recht, sich für eine Weiterbildung vom Arbeitgeber an bis zu fünf Tagen pro Jahr freistellen zu lassen. Das Gehalt wird in dieser Zeit weiter gezahlt. Voraussetzung ist, dass die Weiterbildung von einem dafür anerkannten Träger durchgeführt wird. Auch in Hessen und in Rheinland-Pfalz haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Bildungsurlaub.