Wirtschaftsmorgen

Betriebsrat darf bei Heimarbeit mitbestimmen

Archivartikel

Mit der Arbeit im Homeoffice verbinden Arbeitnehmer häufig mehr Flexibilität. Mal einen Arzttermin dazwischenschieben oder nachmittags zum Kita-Fest der Kinder – und abends wieder E-Mails beantworten. Oder müssen Arbeitnehmer festgeschriebene Arbeitszeiten einhalten?

„Homeoffice ist keine Entgrenzung von Regeln, die für das Arbeitsleben gesetzlich festgeschrieben sind“, erklärt dazu Johannes Schipp (Bild), Fachanwalt für Arbeitsrecht in Gütersloh und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein. Jobzeiten willkürlich zu wählen und etwa bis spätnachts zu arbeiten, um morgens um sieben Uhr wieder anzufangen, sei dementsprechend „nicht gesetzeskonform“. Das Weisungsrecht des Arbeitgebers gelte auch für das Homeoffice. Dass keine arbeitszeitlichen Freiräume geschaffen würden, diene auch dem Schutz der Arbeitnehmer.

Daher gilt: „Es gibt Ruhezeiten und es gibt Arbeitszeitvorgaben, die im Gesetz festgeschrieben sind“, sagt Schipp. Der Arbeitgeber könne zwar für das Homeoffice gewisse Freiräume schaffen, die Vorgaben aus dem Arbeitszeitgesetz müssen dabei aber stets eingehalten werden. Dazu zählt mitunter auch das Sonntagsarbeitsverbot. Neben dem Arbeitszeitgesetz gelten zudem die üblichen betrieblichen Arbeitszeiten für das Homeoffice. „Und auch wenn das in der Realität längst nicht immer so gehandhabt wird, müsste der Arbeitgeber die Einhaltung von Arbeitszeiten eigentlich stichprobenartig prüfen“, so Schipp.

Und wenn die persönliche Disziplin versagt? Zum Teil wenden Unternehmen auch technische Mittel an. Dann haben Beschäftigte, die von zu Hause aus arbeiten, zu einer bestimmten Uhrzeit zum Beispiel keinen Zugriff mehr auf Postfach oder Server.

Bei Unternehmen mit Betriebsräten hat dieser zudem bei der Lage der Arbeitszeit ein Mitbestimmungsrecht – etwa wenn es um Gleitzeit, Kernarbeitszeiten oder flexible Arbeitszeitgestaltung geht. „Diese Regelungen gelten dann auch für die Arbeit im Homeoffice“, ergänzt der Fachanwalt – und sollten von Beschäftigten nicht missachtet werden. tmn