Wirtschaftsmorgen

Chinas Wirtschaft studieren

Archivartikel

Gerade erst war Kanzlerin Angela Merkel in China, nur kurz zuvor hatte Großbritannien den Asiaten den Hof gemacht: China und seine riesige Wirtschaftskraft elektrisieren Unternehmen weltweit.

Und wer andere Kulturen und Märkte verstehen will, der muss sie kennenlernen. Auf dieser Basis hat die Mannheim Business School ein ziemlich ausgefallenes Programm entwickelt: den Mannheim & Tongjin Executiv MBA. Studiert wird an der Mannheimer Business School und an der Tongjin Business School in Shanghai. Absolventen haben am Ende einen Doppelabschluss von beiden Business Schools.

"Bei der Entwicklung von neuen Programmen arbeiten wir sehr eng mit unseren Unternehmenspartnern zusammen", sagt Ralf Bürkle, Sprecher der Mannheim Business School (MBS). Und von Unternehmensseite sei so auch der Wunsch gekommen, "etwas mit Fokus auf den deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen zu konzipieren". Die Mannheimer sind dann einen besonderen Weg gegangen, indem sie sich mit einer chinesischen Einrichtung zusammengetan und gemeinsam ein Programm entwickelt haben, das 2011 an den Start gegangen ist.

Ergebnis ist ein englisch-sprachiger Spezial-MBA, der genau zur Hälfte in Mannheim und in Shanghai absolviert wird. Er besteht aus sechs Modulen, die die kompletten Management-Inhalte abdecken sollen und dabei einen Schwerpunkt auf solche Themen legen, die in deutschen und chinesischen Märkten besonders wichtig sind. Inklusive Masterarbeit können Teilnehmer das Programm in 18 Monaten abschließen, es kann aber auch auf bis zu dreieinhalb Jahre gestreckt werden - alles, um den Teilnehmern die nötige Flexibilität zu bieten.

Denn die haben in aller Regel durchaus eine Menge zu tun. Als Executiv MBA richtet sich das Programm an Berufstätige, die schon einige Jahre im Job sind. Die derzeitigen Teilnehmer sind im Schnitt 38 Jahre alt und arbeiten seit zwölf Jahren, viele haben bereits Führungserfahrung. Den Master müssen sie in ihren Berufsalltag integrieren, bei einem Programm auf zwei Kontinenten nicht unbedingt ganz einfach. Darum setzt die Mannheim Business School auf Flexibilität: "Wenn ein chinesischer Teilnehmer beispielsweise geschäftlich in Deutschland ist, dann kann er gleich ein Modul anhängen, wenn es passt", sagt Bürkle. Den Teilnehmern steht dafür ein Studiengangsmanagement zur Seite, das sich um Organisation und Ablauf des Studiums kümmert.

Deutsche Manager, die mit China zu tun haben und chinesische Manager, die mit Deutschland zu tun haben, stehen im Fokus des Programms. Derzeit kommen etwa jeweils rund 40 Prozent der Teilnehmer aus den beiden Ländern. Die restlichen rund 20 Prozent sind Studenten aus der ganzen Welt. Brasilianer, Spanier und Kroaten sind derzeit vertreten.

Aus Deutschland schicken Großunternehmen dabei genauso Mitarbeiter wie Mittelständler, die ihr China-Geschäft ausbauen wollen. Software-, Auto- und Chemieunternehmen sind genauso dabei wie ein Schnapshersteller oder ein Modeunternehmen - China ist längst auch für Konsumgüterhersteller ein interessanter Markt geworden. 62 Manager haben den Mannheim & Tongjin MBA bereits absolviert, derzeit befinden sich rund 80 Teilnehmer in dem Programm.

Wenn die Kursteilnehmer für ein Modul in Mannheim sind, steht zwar viel, aber auch nicht nur intensives Lernen auf dem Programm. Die Business School organisiert regelmäßig Social-Skills-Kurse, in denen die Teilnehmer die Besonderheiten der deutschen und der chinesischen Kultur kennenlernen. Den Praxistest gibt es ebenfalls dazu: Die Gruppen besuchen dann etwa gemeinsam die Mannheimer Oper oder ein Eishockeyspiel der Adler.