Wirtschaftsmorgen

„Daten an sich sind wertlos“

Archivartikel

Daten werden gern als Rohöl des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Allerdings bringt das Gemisch aus Kohlenwasserstoffen wenig, wenn Spezialwissen um jene Aufbereitungsverfahren fehlt, die „schwarzes Gold“ in Energieträger, Möbelschaumstoffe oder auch Gartenschläuche verwandeln. In etwa so verhält es mit großen Datenmengen. „Diese ermöglichen einem Unternehmen nur dann Wettbewerbsvorteile, wenn sie effektiv analysiert und daraus die richtigen Schlüsse gezogen werden“, erklärt Florian Stahl (kleines Bild), Lehrstuhl-Inhaber für Quantitatives Marketing an der Universität Mannheim, das Konzept des neuen berufsbegleitenden Studienganges „Mannheim Master in Management Analytics“ – angeboten von der Business School. Vorgesehener Start: Februar 2020.

Um aus Daten Einsichten, „ja innovative Erkenntnisse“ zu ziehen, „bedarf es neuer Denkweisen jenseits fachlicher Einbahnstraßen“, betont Stahl. Er plädiert dafür, neben den klassischen unternehmerischen Säulen – wie Produkte oder Dienstleistungen – eine Daten-Säule aufzubauen. Der Ausbildungsgang hat sich für das Kombinieren wichtiger Schnittmengen von Betriebswirtschaftslehre, Statistik und Informatik entschieden – ergänzt von Sozialwissenschaften. Denn Betriebswirtschaftlern fehlt oftmals das Verständnis für zunächst ungeordnet auflaufende Ziffern und Werte. Zahlen-Profis wiederum tun sich schwer, diese kreativ für neue Strategien aufzubereiten. Und ohne systematisches Darstellen, Speichern, Verarbeiten und Übertragen von Informationen läuft ohnehin nichts.

„Datenmassen an sich sind wertlos – sie müssen personalisiert werden“ , lautet das Credo von Stahl. Was dies bedeutet, erläutert der Professor am Beispiel einstiger Tante-Emma-Läden: In solchen familiär geführten Geschäften hätten Eigentümer wie Verkäuferinnen ganz genau gewusst, welche Produkte beziehungsweise Marken Frau Müller oder Herr Maier bevorzugen – und was ihnen nicht in die Tüte kommt. Entsprechend sei das Sortiment vorgehalten worden. Denn Ladenhüter künden nicht nur von falsch eingeschätzten Kundenwünschen, sie kosten auch Geld.

Klar lasse sich das übersichtliche wie stark personalisierte Konzept einstiger Tante-Emma-Läden nicht einfach auf Unternehmen übertragen. Aber dafür, so Stahl, könnten analysierte Daten „wertvolle Ergebnisse und Entscheidungsgrundlagen“ liefern – „sofern die richtigen Fragen gestellt werden“. Um Management-Probleme ganzheitlich zu betrachten, argumentiert der Akademische Direktor des Studienganges, gelte es die Sichtweisen von Experten verschiedener Funktionen nicht nur zu verstehen, sondern selbst einzunehmen. „Und dazu wollen wir befähigen.“

Die Wirtschaft begrüßt den neuen Studiengang, der sich beispielsweise an Nachwuchskräfte richtet, „die nicht komplett aus dem Beruf raus wollen, aber das Gefühl haben, dass nach dem Bachelor noch etwas kommen sollte“, wie es Stahl formuliert. Thomas Saueressig, SAP-Manager für Produktentwicklung, kommentiert: Ein Programm, wie es der Mannheim Master Management Analytics vorsieht, „ist eine ausgezeichnete Voraussetzung für eine Karriere in der digitalen Wirtschaft“. Und Timo Reister, Mitglied des Vorstandes von Fuchs Petrolub, zeigt sich erfreut, dass es nun „vor der Haustür“ ein Angebot gibt, das die eigenen Nachwuchskräfte berufsbegleitend „für die zukünftigen Herausforderungen fit macht“.

Wer die fünf Unterrichtsblöcke studiert, durch deren Themen sich einem roten Faden gleich der Begriff Data zieht, der könnte leicht den Eindruck gewinnen, dass spezielle Mathematik-Kenntnisse gefragt sind. Stahl relativiert: „Für den Studiengang muss man keinen Mathe-Leistungskurs absolviert haben und auch kein Zahlengenie sein.“

Das Curriculum orientiere sich stark an der Praxis. Es dürfte deshalb nicht nur für Nachwuchskräfte interessant sein, die ihrem Bachelor für VWL oder BWL einen Master draufsetzen wollen. Das Konzept eigne sich auch für Wirtschaftspsychologen, die sich im Personalwesen oder in der Marktforschung weiterentwickeln möchten. Ohnehin sieht Stahl neben aufstrebenden Mitarbeitern auch Arbeitgeber als Zielgruppe: Mit dem berufsbegleitenden Studiengang könnten junge motivierte Kräfte an ein Unternehmen gebunden werden. 

Info: Weitere Infos: https://bit.ly/2FP4Vzs