Wirtschaftsmorgen

"Die Türkei ist ein erheblicher Markt"

Archivartikel

Mustafa Baklan führt den Verband Türkischer Unternehmer Rhein-Neckar. Von Alexander Jungert

Deutschland ist nicht nur der größte Handelspartner der Türkei, sondern auch der größte Investor. "Deutschland und die Türkei verbinden starke Handels-, Wirtschafts- und Kultur-Beziehungen, die lange zurückliegen", sagte Mustafa Baklan bei den deutsch-türkischen Wirtschaftsbegegnungen der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar in Mannheim. Baklan ist Vorsitzender des Verbandes Türkischer Unternehmer Rhein-Neckar (TID).

Der Verband feiert in diesem Jahr bereits seinen 20. Geburtstag. "Wir versuchen die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei zu pflegen und auch in den jüngeren Generationen zu fördern", so Baklan, der seit 1998 den deutschen Pass hat. Vorwiegend kleine und mittelständige Unternehmen aus verschiedenen Wirtschaftsbranchen sind in dem Verband zusammengeschlossen. Das Angebot: Unternehmensberatung, Krisenmanagement, Weiterbildung durch betriebswirtschaftliche, steuerrechtliche und allgemeinbildende Seminare sowie die Teilhabe an einem umfangreichen Netzwerk. Bei den deutsch-türkischen Wirtschaftsbegegnungen der Industrie- und Handelskammer stand das Thema Finanzierung auf dem Plan. Zudem sollen Mitarbeiter, Auszubildende und Praktikanten vermittelt sowie gemeinsame Werbeaktionen gestartet werden.

Zuerst lag das Ziel des Verbandes darin, die deutsch-türkischen Unternehmer in der Region Rhein-Neckar zu verbinden. Mittlerweile ist dieses Ziel breiter gefasst: "Wir fördern unsere Mitglieder deutschlandweit und auch auf internationaler Ebene." Baklan will mittelständische Unternehmen ermutigen, in anderen Ländern Geschäfte zu machen. Er weiß, wovon er spricht - denn Baklan führt von Mannheim-Neckarau aus einen Lebensmittel-Großhandel, der nach eigenen Angaben in Europa führend bei südländischen Lebensmitteln ist. Baklan wurde 1956 in Anatolien geboren. 1972 folgte er seinem Vater nach Deutschland, 13 Jahre hat er selbst als Verkäufer und als Packleiter auf dem Großmarkt gearbeitet.

Baklan sieht es als Vorteil an, dass es in der Region viele Konzerne gibt, die in der Türkei mit eigenen Filialen tätig sind oder zumindest ein eigenes Vertriebsnetzwerk haben. Daimler, ABB, SAP, BASF, Bauhaus und Heidelberger Druck zum Beispiel. "Die Türkei ist für diese Unternehmen ein erheblicher Markt", so Baklan. "Das ist ein Segen für unsere Region. Die Zusammenarbeit mit diesen Firmen zeigt, was für ein Potenzial in ihr steckt."

Der Verband arbeitet nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene, sondern engagiert sich auch für Bildung und Sport. So ist er etwa offizieller Kooperationspartner der Hochschule der Wirtschaft für Management in Mannheim (HDWM) und des Deutsch-Türkischen Wirtschaftszentrums (DTW). Der Verband unterstützt zudem die Interkulturelle Walldorfschule sowie den FC Türkspor Mannheim.

Viele Gedanken macht sich Baklan über den Fachkräftemangel hierzulande. Zuletzt seien mehr als 20 000 türkischstämmige Fachkräfte, die in Deutschland ihr Studium abgeschlossen haben, in die Türkei gegangen. "Sie erhielten teilweise keine Aufenthaltsgenehmigung und mussten daher zurück in ihre Heimat." Sie arbeiteten dort für deutsche wie auch für türkische Firmen. "Unser Ziel ist es, diese jungen Menschen in der Region zu halten." Baklan richtet gleichzeitig einen Appell an Unternehmer, bei Bewerbern nicht nur auf die Schulnoten zu achten - sondern auch auf die persönlichen Fähigkeiten.