Wirtschaftsmorgen

Emotionales Geschäft

Archivartikel

In dem Geschäft von Michael Sieber (Bild) geht es um Gefühle. Das höchste Ziel: Freude zu vermitteln, Kinder und Erwachsene zum Lachen zu bringen. „Spielwaren sind emotional.“ Sieber ist Chef der Simba Dickie Gruppe aus Fürth (Bayern). Zu ihr gehören unter anderem das weltbekannte Bobby Car und die Märklin-Modelleisenbahn. Eben weil sich so viel um Emotionen dreht, könnte sich der Manager niemals vorstellen, in einer anderen Branche zu arbeiten.

Sieber ist zu Gast auf dem Deutschen Verpackungsdialog im Deutschen Verpackungsmuseum in Heidelberg. Thema: Starke Marken aus dem Südwesten. Regionen sollen für Qualität, Tradition und kulturelle Identität stehen. Gäste sind Vertreter der Verpackungsindustrie und Vertreter klassischer Hersteller-Marken.

Sieber bezeichnet das Bobby Car als „wahnsinnig tolles Produkt“. Nicht nur Kinder freuten sich, wenn sie die roten Spielzeugautos im Ausstellungsraum des Konzerns sehen – auch bei Erwachsenen würden Erinnerungen wach.

Der Manager gibt zu bedenken, dass die Marke ohne Fernsehwerbung und ohne großes Marketing fast jedem ein Begriff geworden ist. Bekanntheitsgrad in Deutschland: 98 Prozent. „Teilweise verstehe ich bis heute nicht, wie es dazu kommen konnte. Das würde ich gerne für ein zweites Produkt wiederholen“, sagt er und lacht. „Aber das ist natürlich nicht so einfach.“ Der eigentliche Hersteller, die BIG-Spielwarenfabrik, gehört seit 2004 zur Simba Dickie Gruppe.

Im mittelfränkischen Burghaslach betreibt sie nach eigenen Angaben auf 320 000 Quadratmetern eine der größten Spielzeugfabriken Europas. Pro Jahr werden insgesamt 450 000 Bobby Cars hergestellt, seit 1972 waren es rund 20 Millionen Stück. „Und das alles ohne Dieselskandal“, sagt Sieber. Im August 2012 hatte die Tageszeitung „taz“ das Bobby Car scherzhaft zum „umweltfreundlichsten Auto des Jahres“ gekürt.

Das Spielzeug aus Kunststoff, etwa 60 Zentimeter lang und etwa 40 Zentimeter hoch, gilt als unkaputtbar. Ein Elefant hat das bewiesen, indem er einen Fuß auf das Bobby Car gestellt hat. Natürlich glaubt das niemand im Museum, also wirft Sieber ein Foto an die Wand. Das Bobby Car wurde entwickelt, damit kleine Kinder leichter Laufen lernen. Dazu befindet sich in der Mitte eine Art Sitzschale, in die sich das Kind setzen kann. Mit den Beinen kann es das Auto fortbewegen. Das Bobby Car hat eine voll funktionsfähige Lenkung. Vor Kurzem ist das neue Modell auf den Markt gekommen.

Mit Modelleisenbahnen hatte Sieber nie etwas zu tun. Bis zum Jahr 2013. Die Simba Dickie Gruppe übernahm den Modelleisenbahn-Hersteller Märklin aus Göppingen. Nach schwierigen Zeiten – unter anderem nach einer Insolvenz 2009 – ist Märklin mittlerweile wieder in der Spur. Wenngleich das Marktumfeld hart ist: Unterhaltungselektronik und Internet sind die größten Konkurrenten von hochwertigen Spielwaren. Ein Erfolg für Märklin war zuletzt die in Lizenz gefertigte Lok „Emma“ aus dem Kinderbuch-Klassiker „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ von Michael Ende. Im Geschäftsjahr 2019/20 will Märklin 6,5 Millionen Euro in neue Produkte investieren.

Eine Lok besteht aus rund 100 Einzelteilen. Sieber erinnert sich, wie er das erste Mal die Produktion von Märklin besucht hat – und beeindruckt war. „Die Mitarbeiter stellen alles selbst her, bis zum kleinsten Schräubchen. Das ist ein Beispiel für deutsche Ingenieurskunst“, erklärt er. In Asien etwa könne man derart hochwertige Spielwaren nicht herstellen lassen.

Die Simba Dickie Gruppe ist ein Familienunternehmen. Siebers Frau mischt mit, seine Kinder, seine Neffen. „Es ist selbstverständlich, dass jeder Verantwortung übernimmt“, heißt es auf der Internetseite. Ein Foto zeigt die Führungsriege – auf Bobby Cars sitzend oder mit Spielzeug in der Hand.

Im Geschäftsjahr 2018/2019 erwirtschaftete der fränkische Spielwarenhersteller einen Umsatz von 616 Million Euro, ein Rückgang von 4,5 Prozent. Drei Viertel seines Umsatzes erzielt der Konzern im Ausland. Hauptexportländer sind Frankreich, Italien und Großbritannien.

Mit negativen Auswirkungen auf das Geschäft durch den geplanten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit) rechnet das Management der Gruppe nicht. Im Gegenteil: Mit der Gründung einer weiteren Gesellschaft in London will Simba Dickie das Geschäft mit Spielwarenkonzepten im Lizenzbereich sogar weiter ausbauen.

Sieber selbst besitzt übrigens ganz besondere Bobby Cars: mit Originalunterschriften von Basketballspieler Dirk Nowitzki und der Mannschaft des FC Bayern München.

Info: Verpackungsmuseum: https://bit.ly/2CqNJhM