Wirtschaftsmorgen

"Fast jede Idee lässt sich verwirklichen"

Archivartikel

Das Bensheimer Halbleiter-Unternehmen HTV fördert kreative Firmen und Privatpersonen. Von Thomas Tritsch

Edbill Grote ärgert sich oft. "Zu viele gute Ideen versickern im Nichts." Der Geschäftsführer des Bensheimer Halbleiter-Unternehmens HTV will das verhindern. Grote weiß auch, wie: Im "Kreativcenter" treffen Geschäftsideen von Firmen und Privatpersonen mit dem Wissen aus 30 Jahren Forschung und Entwicklung von HTV zusammen.

Die Mitarbeiter der Firmengruppe wollen nicht nur zuhören, sondern auch bei der Herstellung und Vermarktung markttauglicher Konzepte helfen. Barrieren gibt es nicht. "Jede gute Geschäftsidee ist willkommen. Egal, aus welchem Wirtschaftszweig sie kommt", hebt Holger Krumme hervor. Er ist Technischer Leiter und Mitglied des Kreativteams, das sich um aufkeimende Ideen kümmert.

Diese werden zunächst genau geprüft. Wie einzigartig sind sie? Hatte jemand zuvor schon ähnliche Ideen? Patentrecherchen sind Pflicht. Wenn der Einfall doch nicht so neu ist, tritt die Mannschaft von HTV lieber auf die Bremse. In anderen Fällen sieht Edbill Grote große Chancen. Er ist überzeugt: "Fast jede gute Idee lässt sich verwirklichen, wenn man es wirklich will." Gleichzeitig sieht er an diesem Punkt die größten Hindernisse. In Unternehmen fehle es meist am nötigen Freiraum sowie an der Wertschätzung und Unterstützung neuer Impulse, kritisiert der Geschäftsführer von HTV. In Deutschland bemängelt er eine fehlende Kreativkultur, was es Erfindungen und Innovationen unnötig schwer mache. Es brauche mehr Mut, etwas Neues auszuprobieren. "Wir brauchen Querdenker."

Grote hat HTV im Jahr 1986 mit Thilo Tröller als Testhaus gegründet und daraus ein Hochleistungszentrum für elektronische Bauteile gemacht. Heute ist die Halbleiter-Test & Vertriebs-GmbH einer der weltweiten Marktführer in den Bereichen Programmierung, Langzeitkonservierung und Analytik elektronischer Komponenten. 220 Mitarbeiter sind beschäftigt.

In den vergangenen drei Jahrzehnten hat HTV zahlreiche sehr unterschiedliche Produkte für verschiedene Branchen entwickelt und vermarktet. Das Unternehmen tickt unorthodox und über alle Genres hinweg. Erfindergeist wird groß geschrieben. Eine der bekanntesten Ideen aus dem eigenen Lager ist der "Zahnseidenhalter".

Wenige wissen, dass dieses praktische Reinigungsutensil aus Bensheim stammt. Auch ein "Frischhaltebehälter" für Tennisbälle wurde hier geboren. Die Verpackung hält die Bälle unter Druck und verlängert so deren Sprungkraft und Lebensdauer. "Auch aus scheinbar verrückten Ideen lässt sich oft etwas Tolles entwickeln", so Edbill Grote, der zusammen mit Tröller, Krumme und Annemarie Maletic für das Kreativteam steht.

Anklopfen kann jeder. Die Grundidee wird durch Unterzeichnung einer Geheimhaltungserklärung abgesichert. Nach einer Marktanalyse werden Lösungswege, Konzepte und Machbarkeitsstudien entwickelt. Am Ende steht - wenn es gut läuft - die Unternehmensgründung und Vermarktung eines neuen Produkts. HTV übernimmt sämtliche Kosten und ist am Start-up beteiligt. Letztlich geht es darum, mit dem Einfallsreichtum auch Geld zu verdienen.

Grote hebt hervor, dass das Konzept verzahnter Kreativität auch in das eigene Unternehmen hinein wirkt. Mit externen Partnern entstand im vergangenen Jahr ein Projekt, um mehr Datensicherheit im Internet zu schaffen. "Eine revolutionärer Ansatz", so der Geschäftsführer, der vorerst aber keine Details verraten will. Nur so viel: "Jeder denkt dabei sofort an Software. Wir nicht."