Wirtschaftsmorgen

Frauen-Netzwerk macht bei der BASF Dampf

Archivartikel

Mitarbeiterinnen setzen sich für Gleichstellung bei dem Chemiekonzern ein. Von Marc Strehler

Beim Thema Frauen-Quote sind sich Pilar Hernandez-Schneider und ihre Mitstreiterinnen nicht einig: "Da gibt es unterschiedliche Meinungen - auch bei uns im Netzwerk", sagt die 56 Jahre alte BASF-Mitarbeiterin. Einig sind sich die Mitglieder des Netzwerkes "Women in Business" allerdings in einem anderen Punkt: In der BASF muss es den Frauen leichter gemacht werden. Im vergangenen Jahr hat sich das interne Netzwerk am Stammsitz des weltgrößten Chemiekonzerns in Ludwigshafen offiziell gegründet. Auch bei der männlichen Belegschaft stoßen dessen Aktivitäten auf Interesse.

Wie bei vielen anderen großen Unternehmen sind auch die Frauen in der BASF-Gruppe unterrepräsentiert, besonders krass ist das in den Spitzenpositionen. 22,9 Prozent beträgt der Anteil der Frauen an der Gesamtbelegschaft, in den oberen Führungspositionen lag er zuletzt bei 7,6 Prozent. Die Tendenz ist nach Angaben der BASF steigend, in diesem Monat ist mit der früheren Bahn-Managerin Margret Suckale auch erstmals eine Frau in den Vorstand des Chemiekonzerns eingezogen.

Von einer zuletzt diskutierten Frauen-Quote hält die BASF-Führung nichts. Bei der BASF müsse die Qualifikation eines Mitarbeiters zur fraglichen Stelle passen, unabhängig von seiner Nationalität oder seinem Geschlecht. "Von Quoten, welcher Art auch immer, hält die BASF nichts", erklärt eine Sprecherin. Das firmeninterne Frauen-Netzwerk begrüßt die Berufung Suckales natürlich, zumal die Managerin als Personalvorstand auch Weichen stellen kann in Richtung mehr Frauenpower. Hernandez-Schneider sieht darin aber erst einmal ein "Symbol". "Da muss schon noch mehr passieren." Bei der BASF gibt es verschiedene Angebote, die es Frauen ermöglichen sollen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Dazu zählen etwa Kindertagesstätten, aber auch Teilzeitjobs. "Da hat sich Einiges getan", sagt Hernandez-Schneider, die Vorsitzende des Netzwerkes ist. "Aber in Bezug auf flexible Arbeitszeitmodelle kann man auch noch eine Schippe drauflegen." Ihrer Ansicht nach müssten die persönlichen Umstände eines Mitarbeiters stärker in die Personalplanung einfließen. Also etwa, ob jemand Kinder hat oder jemanden pflegen muss. "Und das gilt für Männer wie für Frauen."

Dass es Frauen in einem naturwissenschaftlich geprägten Unternehmen von Haus aus noch einmal schwerer haben, glaubt Anja Feldmann nicht. "Das ist ein Klischee", meint die 43-Jährige, die in der Forschungskommunikation der BASF arbeitet und sich ebenfalls für das Netzwerk engagiert. So gebe es gerade im Forschungsbereich bei der BASF einen hohen Anteil an Frauen.

Zur Überraschung der Frauen schließen sich männliche BASF-Mitarbeiter den Aktivitäten des Netzwerkes an. " Es sind vor allem jüngere Männer, die sich für das Vernetzen interessieren", sagt Feldmann.