Wirtschaftsmorgen

Freiheit auf zwei Rädern

Der Heidelberger Stefan Knopf verdient sein Geld mit dem, was er selbst am liebsten macht: Er ermöglicht Bikern weltweite Touren mit ihrem eigenen Motorrad. Sein Firmensitz in der Kirchheimer Hardtstraße verfügt über Werkstatt, Lager, sechs Gästezimmer und Aufenthaltsräume. Von dort aus organisiert Knopf den Transport der Maschinen per Schiff oder per Luftfracht, kümmert sich um die nötigen Versicherungen und Zollformalitäten. Während der Saison von April bis Oktober sind die Zimmer durchgehend belegt, Knopf hilft an sieben Tagen pro Woche bei der Tourenplanung, stellt Kartenmaterial zur Verfügung, repariert Bikes oder vermietet Motorräder.

Werbung macht er keine. Sein Rundum-Service spricht sich in Blogs, Foren und auf Bikertreffen herum. Einmal im Jahr stellt er sein Konzept als Gastredner bei einem großen Motorradtreffen in den USA vor, in vielen Reiseberichten oder Büchern von Weltenbummlern wird er ebenfalls erwähnt. So kam es schon vor, dass spätabends ein unangemeldeter russischer Biker vor der Tür stand. Er hatte in einer abgelegenen Bar in der Mongolei von Knopfs Rundumservice gehört. Auch ein kuwaitischer Scheich kam überraschend für einen Ölwechsel vorbei. „Den haben wir offenbar zu seiner Zufriedenheit erledigt“, schmunzelt Knopf. Denn aktuell erwartet er einen Container mit 20 Motorrädern aus Kuwait. Auch Biker aus europäischen Ländern wie Malta, Island oder Norwegen finden mittlerweile den Weg nach Kirchheim. „Bei uns bekommen die Leute alles in einem. In dieser Form sind wir die Einzigen weltweit.“ Dazu kommt die verkehrsgünstige Lage mit der Nähe zum Frankfurter Flughafen, zum Schwarzwald und zu den Alpen.

Knopf teilt die Begeisterung seiner Kunden, denn schon als kleiner Junge wusste er: „Wenn ich 18 bin, fahre ich mit dem Motorrad durch die USA.“ Diesen Plan verfolgte der gelernte Bäcker mit Nachdruck. Ohne Sprachkenntnisse heuerte er auf einem Frachter an, der ihn und seine BMW R 45 mit nach New Orleans nahm. Die Reise führte ihn von Florida bis nach Alaska und dann über Denver und Los Angeles nach Hawaii. Immer wieder arbeitete er als Bäcker.

Zurück in Heidelberg übernahm er mit seiner Frau einen Imbissbetrieb, den sie acht Jahre lang führten. „Die Motorradsache blieb mir immer im Hinterkopf.“ Sie verkauften ihren Betrieb und tourten gemeinsam durch die USA. Dort traf Knopf einen Österreicher, der Biker aus Europa mit zur berühmten Daytona Bike Week gebracht hatte. So entstand die Idee: „Mit dem eigenen Motorrad durch die USA – das ist doch der Traum jedes Motorradfahrers.“

Also gründete er 1993 Knopf Abenteuerreisen, um Bikern aus der ganzen Welt individuelle Touren mit der eigenen Maschine zu ermöglichen. „Die ersten Kunden haben mit in unserer Wohnung übernachtet, wir haben ihnen unser eigenes Motorrad geliehen.“ Sie waren so begeistert, dass die Touristen zurück in der Heimat einen Artikel veröffentlichten. Auch Biker aus Deutschland zeigten nach ersten Anzeigen in Motorradzeitschriften schnell Interesse. „Wir haben sofort Motorräder zum Verleihen gekauft und schon nach einem Jahr zwei Container mit Maschinen für 35 Leute in die USA verschifft.“

Transportgestelle baute Knopf anfangs aus alten Matratzen selbst. Er führte die Reisegruppe selbst durch die Vereinigten Staaten, bald kamen Anfragen nach weiteren Zielen in Mexiko und Südamerika. Das änderte sich mit den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001. Die Einreisebedingungen in die USA wurden verschärft, Motorräder galten plötzlich als Gefahrgut. Dazu kam die Wirtschaftskrise in Deutschland, das Interesse an Biker-Reisen in die Vereinigten Staaten kam fast zum Erliegen.

Zu der Zeit war Knopf gerade Witwer geworden und mit vier kleinen Kindern zurückgeblieben. An wochenlange Reisen durch Amerika war für ihn ohnehin nicht mehr zu denken, so verstärkte er sein Geschäft mit den amerikanischen Gästen, die durch Europa touren. Mittlerweile beschäftigt er eine Halbtagskraft. „Ansonsten ist der Betrieb eine Ein-Mann-Veranstaltung mit Familienunterstützung.“

Mittlerweile fährt er wieder einmal pro Jahr privat mit dem Motorrad durch die USA und besucht Freunde, die er durch Knopfs Abenteuerreisen gefunden hat. Mit der Familie hat er darüber hinaus zwei Weltreisen unternommen. Das ist auch das Geheimnis seines Erfolges: „Ich weiß genau, wie sich die perfekte Tour anfühlt, aber auch, wie es ist, wenn man ankommt und die Motorräder sind nicht da.“

Auch wenn er mittlerweile froh über das Ende der anstrengenden Saison ist und er seine eigenen rund 25 Motorräder derzeit mehr schiebt als fährt, sagt er: „Seit 25 Jahren lebe ich meinen Traum.“