Wirtschaftsmorgen

Fünf Tipps für die Nachfolge

Wer als Inhaber eines Familienunternehmens einen Nachfolger sucht oder wer sich mit dem Gedanken trägt, ein Familienunternehmen zu übernehmen, sollte Rat und Hilfe in Anspruch nehmen. Erster Ansprechpartner können hier die Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar beziehungsweise die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald sein.

Hier gibt es eine Fülle von Informationen im Internet, aber auch persönliche Beratungsangebote für Mitgliedsunternehmen. Denn eine Unternehmensnachfolge kann sich schwierig gestalten. „Es waren noch nie so viele Unternehmen, die einen Nachfolger gesucht haben beziehungsweise noch nie so wenige Übernehmer auf dem Markt“, erklärt Christian Schwöbel, IHK-Bereichsleiter für Unternehmensförderung und Unternehmensrecht. „In Zeiten von Fachkräftemangel wird es immer schwieriger, junge Leute für eine Unternehmensübernahme zu begeistern“, weiß auch Christiane Zieher, Leiterin der Unternehmensberatung bei der Handwerkskammer. Beide haben deshalb einen Baukasten zusammengestellt, um eine Übernahme erfolgreich zu gestalten. Folgend fünf Tipps.

Bestandsaufnahme

„Wir empfehlen Unternehmern, sich schon im Alter von Mitte 50 mit dem Thema Unternehmensnachfolge auseinanderzusetzen“, rät Christian Schwöbel. Deshalb bietet die IHK Veranstaltungen an, um mit Selbstständigen ins Gespräch zu kommen und sie für dieses Thema zu sensibilisieren. Jeder Unternehmer sollte zunächst eine Bestandsaufnahme machen, wo das Unternehmen steht und was es wert ist. „Wir bieten eine professionelle Wertermittlung an“, ergänzt Christiane Zieher. Häufig sei es so, dass sich die persönlichen Vorstellungen des Inhabers nicht mit dem tatsächlichen Wert decken, beispielsweise, wenn der Inhaber seine Altersvorsorge über den Unternehmenserlös decken müsse oder noch Investitionen nötig seien, um das Unternehmen zukunftsfähig zu machen.

Klarheit über die eigenen Wünsche und Möglichkeiten

Außerdem sollte sich der Inhaber eines Unternehmens überlegen, was er persönlich möchte und wer aus seiner Sicht als Nachfolger in Frage käme. Ist eine Übergabe innerhalb der Familie oder an einen Angestellten geplant, sollten so früh wie möglich Gespräche geführt werden, damit sich beide Seiten über ihre Ziele und Wünsche klar werden können. Wer ein Unternehmen übernehmen möchte, sollte sich in diesem ersten Schritt über die eigenen finanziellen Möglichkeiten und Ziele klar werden, ehe er sich auf die Suche begibt. „Häufig ist der Finanzbedarf bei einer Übernahme höher als bei einer Neugründung“, gibt Zieher zu bedenken.

Notfallplan erstellen

Im Rahmen der Bestandsaufnahme empfiehlt Christian Schwöbel spätestens zu diesem Zeitpunkt dringend, ein Notfall-Handbuch zu erstellen, das im Fall von Krankheit, Unfall oder gar Tod des Unternehmers regelt, wer welche Befugnisse hat und wie der Fortbestand eines Unternehmens gesichert werden kann.

Externe Suche über das Internet

Muss ein externer Nachfolger gesucht werden, bietet sich ein Inserat auf der kostenlosen Plattform nexxtchange.org an. Diese wird unterhalten vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und unterstützt von diversen Regionalpartnern. Dazu zählen die Kammern, Volksbanken und Sparkassen. Über diese Plattform können sich sowohl Unternehmen, die einen Nachfolger suchen, als auch Kandidaten, die ein Unternehmen übernehmen wollen, präsentieren. Handwerkskammer und IHK geben Tipps, wie das Inserat aussehen kann, welche Informationen enthalten sein sollten und welche eher nicht. Schließlich muss der Nachfolger fachlich und persönlich geeignet sein – und auch zur Philosophie des Unternehmens passen.

Moderation und Beratung in Anspruch nehmen

Handwerkskammer und IHK helfen den Suchenden dabei, die Interessenten zu prüfen. Sie begleiten beide Seiten in die Gespräche. Wird die Übernahme konkret, informieren beide Einrichtungen über finanzielle Fördermöglichkeiten, stellen Kontakt zur Anwaltskammer und zum Steuerberaterverband her und helfen dem, der das Unternehmen übernehmen will, beim Schreiben eines Businessplans. „Auf Beratung sollte man nicht verzichten“, betont Schwöbel. Denn was vor Vertragsabschluss geklärt werden könne, mache hinterher keinen Ärger. Da kann ihm Christiane Zieher mit Verweis auf die umfangreiche Rechts- und Finanzberatung ihrer Kammer nur beipflichten.