Wirtschaftsmorgen

Geschüttelt, nicht gerührt

Archivartikel

Er ist ein Klassiker. Andreas Kontoussias kann ihn fast blind zubereiten. Zuerst teilt er mit schnellen Bewegungen eine Limette in acht Teile, gibt sechs davon in ein Glas und lässt etwa einen Esslöffel braunen Rohrzucker darüber rieseln. Dann zerdrückt er die Limette kräftig mit einem Stößel, bis gut zwei Zentiliter frischer Saft im Glas stehen und füllt es mit zerstoßenem Eis auf. Darüber kommt Cachaça, ein brasilianischer Zuckerrohrschnaps. Kontoussias misst die Menge nicht ab. Er weiß, dass es etwa fünf Sekunden dauert, bis aus dem Ausgießer fünf Zentiliter ins Glas geflossen sind. Dann rührt er kräftig, steckt zwei Strohhalme ins Eis. Keine Deko, keine Früchte. "Der Caipirinha - schlicht und gut." Der 36-Jährige lächelt. Es ist sein Lieblingscocktail. Und keiner macht ihn so gut wie er - sagte zumindest ein Stammgast, der gerne in die Kneipe kam, in der Kontoussias früher als Barkeeper jobbte, und nannte ihn immer "Caipiman". Und als sich Kontoussias mit seinem Cocktailservice selbstständig machte, behielt er den Namen bei.

Seit 2009 ist der Ludwigshafener als Caipiman auf Events und Firmenfeiern, auf Messen und Privatpartys in der Region unterwegs. Er versorgte Saunagänger im Gartenhallenbad Neckarau bei der Langen Saunanacht der Stadt mit kühlen Drinks, machte Cocktails für die Mannheimer Adler bei einem James-Bond-Event im Kinopolis und gibt sein Wissen in Kursen weiter. Vier freie Mitarbeiter unterstützen ihn mittlerweile bei den Terminen.

Dabei hat Kontoussias eigentlich einen ganz anderen Beruf gelernt: Polizist. Sechs Jahre lang war er bei der Polizei, zuerst in Bruchsal, dann in Seckenheim. Doch der Traum von der Selbstständigkeit, sagt der 36-Jährige, sei immer da gewesen. Seine Mutter hatte früher ein Wollgeschäft, sein Vater, der ursprünglich aus Griechenland kommt, war zunächst in der Gastronomie, später in der Autobranche selbstständig. Seine ersten eigenen Schritte machte Kontoussias in der gleichen Branche wie der Vater: Er vermittelte Fahrzeuge an griechische Kunden. Bis die Finanz- und Schuldenkrise ihm das Geschäft vermieste.

Schon während seiner Zeit bei der Polizei jobbte Kontoussias als Barkeeper. "Ich fand das immer spannend: der Umgang mit den Gläsern, dem Shaker, den unterschiedlichen Zutaten." Sein Wissen eignete er sich größtenteils selbst an. Auch während der Selbstständigkeit behielt er die Tätigkeit bei. Der Job führte ihn eines Tages auf eine Messe, dort mixte er Drinks für die Besucher. "Das Cocktailmachen ist ja sozusagen die Kür im Barkeeperleben - und da habe ich zum ersten Mal gesehen, dass man auch nur davon leben könnte." Er glaubte an die Idee und gründete einen mobilen Cocktailservice. "Aber ich wollte das auf meine Art machen", sagt er. Er wollte nicht mit einem elektronischen Shaker arbeiten, wie damals auf der Messe. "Ich will dieses Flair rüberbringen, mit Boston-Shaker und das jeder zusehen kann, wie sein Cocktail entsteht." Auch wenn eine Nacht voller frisch geschüttelter Drinks durchaus auch mal einen Muskelkater hinterlasse. Kontoussias grinst.

Bis zu 1000 Gäste kann er mit seinen Mitarbeitern mittlerweile bedienen. Seine Bar, die in Ludwigshafen lagert, besteht aus verschiedenen Modulen, die zu einer Länge von 1,10 bis drei Metern zusammengestellt werden können. Gläser bringt Kontoussias selbst mit - und zwar so viele, wie er für den gesamten Abend braucht. "Spülen tun wir hinterher - das gehört zum Service dazu."

Ebenso gehört dazu, dass sich der Caipiman dem Motto des Events anpasst. Bei den Adlern beleuchtete er seine Bar in blau, weiß und rot, Unternehmen können auch ihr Logo auf der Bar anbringen lassen. Karten werden für jede Veranstaltung speziell angefertigt. "Bei der Feier einer Fondsgesellschaft haben wir die Cocktails nach ihren Fonds benannt", erzählt Kontoussias. Manchmal wünschten Kunden auch nur alkoholfreie Cocktails. Und bei einer 20er Jahre-Party kommen er und seine Mitarbeiter auch im weißen Hemd, tragen Hosenträger und Seitenscheitel. Jahr für Jahr konnte Kontoussias neue Kunden hinzugewinnen, nach und nach baut er seinen Service aus. "Ich will langsam wachsen", sagt er. Die Krise hat ihn vorsichtig gemacht. Mittlerweile können Kunden auch gleich Stehtische mitbuchen. Vor kurzem hat der 36-Jährige mit einem Caterer verhandelt. "Ich will künftig Fingerfood mit anbieten, also ein komplettes Catering-Programm." Und auch den nächsten Schritt hat er schon vor Augen: eine mobile Cafébar. Ein Barista-Seminar hat er bereits absolviert. Damit hofft er, verstärkt auch unter der Woche Aufträge zu bekommen.

Dass Kontoussias sein Leben als Caipiman genießt, ist nicht zu übersehen. Er schätzt den Umgang mit Menschen und hört auch zu, wenn ihm jemand an der Bar sein Herz ausschüttet. Er lächelt. "Was man da alles erlebt..."