Wirtschaftsmorgen

Großer Markt mit kleinen Kunden

Archivartikel

Klotzen, nicht kleckern hieß die Devise des Unternehmens auf der "Kind + Jugend", der Leitmesse der Branche, die in Köln stattfindet. Abseits der zwei großen Hallen hatte Wonderland Nurserygoods im Congresszentrum Ost eine Sonderfläche von knapp 1000 Quadratmetern gebucht, um seine Marken nuna und Joie zu präsentieren.

Der starke Auftritt macht Sinn: Denn auf dem deutschsprachigen Markt sind die Taiwanesen erst seit Mitte 2013 vertreten - und auch ihre beiden Marken sind mit sieben (nuna) bzw. fünf Jahren (Joie) sprichwörtlich den Kinderschuhen erst entwachsen.

"Als Wonderland 1983 gegründet wurde, konzentrierte man sich auf die Produktion von Babyausstattung für Dritte - vor allem für den US-amerikanischen Hersteller Graco", berichtet Oliver Mecky, der gemeinsam mit Sven Hering die Geschäftsführung der deutschen Tochter Joie mit Sitz in Mannheim-Neckarau übernommen hat. "Später kam noch das italienische Label Chicco hinzu." Erst vor einigen Jahren entschloss man sich, zwei eigene Marken an den Start zu bringen, die unabhängig voneinander auf dem Markt agieren.

Nuna wurde von niederländischen Designern entwickelt, wird vor allem im Fachhandel vertrieben und setzt auf den Lifestyle-Markt. Im Programm ist unter anderem eine Babywippe, die ohne Batterie allein durch einen sanften Stoß zu schwingen beginnt. "Das Joie-Portfolio wurde in England auf den Weg gebracht und ist eher für die mittlere Preisklasse gedacht - mit Buggys, Hochstühlen, Reisebetten, Babyschalen und Autokindersitzen", erklärt Mecky die unterschiedliche Positionierung und freut sich, dass es seinem Unternehmen schon zweieinhalb Jahre nach dem Markteintritt gelungen ist, sich im Handel gut zu etablieren.

"Deutschland ist ein zwar schon aufgrund seiner Größe sehr interessanter, aber extrem schwieriger, heiß umkämpfter Markt", weiß Mecky. "Er ist zudem von zahlreichen mittelständischen, inhabergeführten Geschäften geprägt, was den Vertrieb sehr aufwendig macht." Das ist ein Grund, warum Wonderland relativ lange wartete, bevor es dieses Projekt in Angriff nahm - ein zweiter war die Suche nach dem richtigen Management.

Andere Kulturkreise bringen spezielle Anforderungen mit sich, auf die sich Unternehmer einstellen müssen. "In Asien spielt das Thema Vertrauen eine ganz wichtige Rolle, das in langjährigen Beziehungen langsam wachsen muss", berichtet Mecky. "Und das hat bei uns einfach gepasst."

Denn Mecky kennt die Branche wie auch sein Geschäftsführerkollege Hering seit vielen Jahren und war schon für Cybex, Recaro Childsafety, Newell Rubbermaid und eben auch für Graco tätig, das Unternehmen, mit dem Wonderland bis heute enge Geschäftsbeziehungen unterhält.

"Ist das Vertrauen jedoch einmal da, dann genießt man als Tochtergesellschaft bei einem Familienunternehmen wie Wonderland eine relativ große Freiheit und darf auch einmal intuitiv entscheiden - ohne alles bis ins Kleinste analysieren und belegen zu müssen. Das ist ein Riesenvorteil, wenn es um die schnelle Umsetzung von Maßnahmen geht."

Entsprechend zügig soll der Aufbau der Zentrale in Mannheim gelaufen sein, ein Firmensitz, den man nicht nur aufgrund der Nähe zu Meckys Wohnort im pfälzischen Lambsheim wählte. "Mannheim ist einfach perfekt in der Mitte von Deutschland gelegen - und allein die Nähe zum Frankfurter Flughafen ist ein großer Vorteil", zählt er einige der Pluspunkte auf. Mehrfach im Jahr fliegt der Unternehmenschef nach Taiwan und zu den Produktionsstandorten in China. 15 Mitarbeiter zählt die Mannschaft der Joie GmbH an der Donaustraße in Mannheim-Neckarau inklusive einem Auszubildenden. Weitere Stellen sind ausgeschrieben. "Wir fühlen uns der Region eng verbunden", hebt Mecky hervor.

Logistikdienstleister des Unternehmens ist die Pfenning-Gruppe mit Sitz in Heddesheim, die Joie derzeit 3000 Palettenstellplätze in Viernheim zur Verfügung stellt. Die Mannheimer Tochtergesellschaft von Wonderland Nurserygoods ist dabei nicht nur für die Logistik in Deutschland, Österreich und der Schweiz zuständig, sondern bedient darüber hinaus auch die Distributoren in ganz Europa.

Außerdem ist es Aufgabe des Mannheimer Teams, die besonderen europäischen Anforderungen an Buggys, Hochstühle, Autokindersitze und andere Produkte genau zu analysieren und diese dann in die Entwicklung neuer Modelle einzubringen.

"Sicherheit, Qualität und Nachhaltigkeit stehen in Deutschland und beispielsweise in Skandinavien ganz oben auf der Agenda - und das muss auch bei preiswerteren Modellen unbedingt gewährleistet sein", so die Erfahrung von Geschäftsführer Mecky.