Wirtschaftsmorgen

Helfer in Fabrik und Büro

Archivartikel

Ob beim autonomen Fahren, in der vernetzten Industrie oder in der Medizin: Künstliche Intelligenz verändert unseren Alltag und unsere Arbeitswelt. Auch Firmen in der Region befassen sich in ganz unterschiedlichen Bereichen intensiv mit dem Thema. Beispiel BASF: Der Chemiekonzern aus Ludwigshafen hat im Sommer eine Kooperation mit der Technischen Universität Berlin zu Maschinellem Lernen vereinbart. Ziel sei es, neue mathematische Modelle und Algorithmen für grundlegende Fragen in der Chemie zu entwickeln.

Konkret soll nach Angaben der BASF zum Beispiel dazu geforscht werden, wie Algorithmen die Löslichkeit von komplexen Mischungen oder Farben vorhersagen können. Mathematische Modelle könnten zudem auch Laborroboter steuern, die Versuche durchführen. Die Maschinen könnten dann Routineaufgaben übernehmen oder auch den Umgang mit gefährlichen Stoffen. Als Beispiel nennt der Chemiekonzern die Reinigung eines Reaktors.

Doch nicht nur in der Chemie, auch in der Agrarsparte befasst sich die BASF mit Künstlicher Intelligenz. Gerade hat das Unternehmen bekannt gegeben, dass es über seine Beteiligungsgesellschaft BASF Venture Capital in das britische Start-up Hummingbird Technologies investiert. Dieses wiederum hat nach eigenen Angaben eine Künstliche Intelligenz entwickelt, die Luftbilder von Satelliten, Flugzeugen und Drohnen auswertet. Auf dieser Basis könne sie für Landwirte zum Beispiel konkrete Erntevorhersagen für ihre Äcker und Felder berechnen oder genau ermitteln, wie viel gedüngt werden müsse. Auch Schädlingsbefall, Krankheiten oder Pflanzlücken könne das System erkennen und den Landwirten auf detaillierten Karten anzeigen. Diese könnten dann schnell und gezielt reagieren und damit die Erträge ihrer Betriebe steigern. Unter anderem in Russland, China, den USA und Brasilien würden solche modernen Ernte-Analysen vor allem angewendet.

Eine wichtige Rolle spielt Künstliche Intelligenz auch in der Automobilindustrie – damit befasst sich zum Beispiel der Walldorfer Softwarekonzern SAP. Das Unternehmen hat gerade eine strategische Partnerschaft mit dem Sportwagenbauer Porsche geknüpft, die sich unter anderem mit diesem Thema beschäftigen soll. Zu konkreten gemeinsamen Projekten könne man derzeit noch nichts sagen, erklärt eine Porsche-Sprecherin.

Mit Künstlicher Intelligenz befasst sich der Autokonzern aber schon länger intensiv – und zwar nicht nur in Zusammenhang mit autonomem Fahren. Auch in der Produktion spiele das Thema eine Rolle. So gebe es derzeit ein Pilotprojekt zur Qualitätssicherung. „Unsere Fahrzeuge enthalten jeweils mehrere hundert Steckverbindungen, bei denen natürlich sicher sein muss, dass sie richtig sitzen“, erklärt die Porsche-Sprecherin. Das soll künftig eine Künstliche Intelligenz gewährleisten. Sie habe gelernt, das Klick-Geräusch zu erkennen, das entsteht, wenn die Verbindung richtig greift. Sobald sie es hört, gibt sie dem zuständigen Mitarbeiter in der Produktion ein entsprechendes Signal über eine Art Computerarmband. Dieser weiß dann, dass die Verbindung korrekt sitzt – obwohl er das Geräusch wegen der Lautstärke in der Produktion selbst nicht hören kann.

Doch nicht nur in der Industrie, auch in der Dienstleistungsbranche spielt Künstliche Intelligenz eine Rolle. Zum Beispiel bei dem Mannheimer Personaldienstleister Hays. Er ist auf die Vermittlung von Fach- und Führungskräften spezialisiert.

„Wenn wir Bewerbungen per E-Mail bekommen, liest eine Software die Daten aus. Anhand der Fähigkeiten, die im Lebenslauf des Kandidaten angegeben sind, gleicht sie dann automatisch ab, auf welche Stellenangebote er potenziell passt“, erklärt Katharina Hain, Rekrutierungsexpertin bei Hays.

Zudem könnten Programme die wichtigsten beruflichen Fähigkeiten eines Kandidaten direkt aus dessen Lebenslauf ziehen und in das Profil übertragen, das bei dem Personaldienstleister von ihm angelegt sei.

„So können wir bei der Kandidatensuche auf einen Blick erkennen, wer auf eine bestimmte Stelle passen könnte – ohne, dass wir direkt den Lebenslauf in die Hand nehmen müssen“, sagt Hain.

Einen Roboter, der Bewerbungsgespräche mit Kandidaten führt und dann die Favoriten auswählt, wird es bei dem Mannheimer Personalvermittler hingegen in naher Zukunft wohl nicht geben. „Solche Programme gibt es ja schon auf dem Markt. Die Erfahrung zeigt aber, dass sie Schwächen haben und die Kandidaten nicht so objektiv beurteilen wie sie es sollten“, sagt Hain. Zudem stehe bei dem Personaldienstleister der menschliche Aspekt im Vordergrund. „Deshalb führen wir Telefoninterviews und Vorstellungsgespräche mit Kandidaten immer persönlich. Und das schätzen die Bewerber auch.“