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Inspiration Island

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Unter ihrem neuen Label "frjor" entwirft die Schwetzinger Designerin Anna Becker schwarz-weiße Porzellanschalen in unterschiedlichen Mustern. Diese sollen nicht nur durch ihr Design überzeugen. Sie sind alltagstauglich, spülmaschinenfest und vielfältig einsetzbar: ob als Müslischüssel, Kerzenständer, Blumenvase oder Kunstobjekt. "Ich habe etwas Bestehendes neu und anders interpretiert", so Becker.

Erst Ende 2013 hatte sie begonnen, mit Porzellan zu arbeiten. Ihr eigentliches "Steckenpferd", so die Designerin, war bis dahin die Illustration. Sie hat in Mannheim Kommunikationsdesign studiert, Illustration und Freies Gestalten waren ihre Schwerpunkte. Danach arbeitete sie bei einer der bekanntesten Agenturen in der Region. Später machte sich die Mutter von drei Söhnen selbstständig, entwarf Logos, schrieb und illustrierte ein Kinderbuch und gewann einen Designwettbewerb für eine Verpackung. Ihren großen Traum, ein eigenes Label, hat sie dabei nie aus den Augen verloren. "Man denkt immer, man muss etwas völlig Neues erfinden. Das hinderte auch mich." Ein Island-Urlaub inspirierte sie: "Die Leute dort erschienen mir viel freier, sie arbeiten viel zusammen und machen einfach." Daher auch der Name: "Frjor ist isländisch und bedeutet wachsend, fruchtbar, kreativ", erzählt die gebürtige Polin.

Becker bemalte erste Schalen mit ihren schwarz-weißen Mustern. Die Rohlinge hatte sie zufällig gefunden, die Suche nach der perfekten Porzellanfarbe dauerte wesentlich länger. Sie schickte Fotos ihrer Prototypen an verschiedene Hersteller. "Ich habe um Rat gebeten und von Anfang an tolle Resonanz bekommen." Verschiedenste Farben wurden ihr kostenlos zur Verfügung gestellt, damit experimentierte sie. 40 verschiedene Muster sind so entstanden. Dass diese schwarz-weiß sein sollten, war von Anfang an klar. "Ich bin eine Puristin und mag es reduziert", so die Designerin.

Wieder hat sie Fotos der Schalen verschickt, dieses Mal ans Makassar nach Mannheim. "Die Meinung von Margit Carell und Jürgen Tekath war mir wichtig und der Termin, den ich bekommen habe, ein erster großer Erfolg." Beide fanden die Idee gut, blieben wichtige Ratgeber. "Das war der Startschuss."

Nun ging es an die Umsetzung. Anna Becker machte sich auf die mühsame Suche nach einem geeigneten Hersteller. Die Schalen sollten schwer sein, gut in der Hand liegen und durch ihre Form überzeugen. Unzählige Fotos mit ihren Entwürfen hat sie an Manufakturen im gesamten Bundesgebiet verschickt. Fast drei Monate lang scheiterte jede Anfrage am aufwendigen Siebdruckverfahren.

Durch Zufall stieß sie auf eine Porzellanmanufaktur in Könitz bei Jena, die in der Lage ist, die Schalen nach Beckers Vorstellung zu bedrucken. Dort werden nun die Muster auf Filme übertragen und der Rundung der Schale angepasst. Ein schmaler Bereich am oberen Rand kann aus technischen Gründen nicht bedruckt werden und wird von Hand nachgefärbt. Sechs Muster mit einer Startauflage von 110 Stück pro Muster sind nun produziert, ein Drittel davon war bereits vorab verkauft. Denn Becker hatte weitere Fotos an Concept Stores im ganzen Land verschickt. Die Händler waren begeistert. Mittlerweile verkauft frjor in 20 Shops von Hamburg bis Wien.

Darüber hinaus nutzt Becker die Möglichkeiten der sozialen Medien wie Facebook und Twitter sowie ihre Website. Dort punktet sie mit ihren ästhetischen Fotos, die zum Teil im stillgelegten Ausbesserungswerk in Schwetzingen entstanden sind. Ihr Engagement und ihre Hartnäckigkeit erklärt die normalerweise eher zurückhaltende Designerin so: "Ich habe einfach gewusst, dass dieses Projekt gut wird, daher hatte ich den Mut, die Leute direkt anzusprechen." Ihr Rat an andere Jungunternehmer: "Man darf sich nicht abschrecken lassen, wenn man seinen Traum umsetzen will."

Doch Engagement allein reicht nicht. Vielfältige Unterstützung habe sie auf ihrem bisherigen Weg erfahren. Durch Geschäftspartner, Lieferanten und nicht zuletzt durch ihre Familie und ihren Mann. "Wir alle zusammen haben dieses Projekt vorangebracht. Das ist genauso wichtig wie das Design selbst." Auch die Läden, die ihr Label führen, unterstützen Becker. Vor allem durch ihre Kontakte zu Verlagen. So sind frjor-Schalen bereits in "Schöner Wohnen" abgedruckt und werden in der Dezemberausgabe der "Vogue" zu sehen sein.

"Nun muss ich anfangen, unternehmerisch zu denken", so Becker über ihre Zukunftspläne. Auch wenn die bisherige Investitionssumme von 3500 Euro relativ gering ist, sind die Produktionskosten hoch und die Gewinnspanne dadurch entsprechend klein. Die Designerin zieht verschiedene Möglichkeiten für die Entwicklung ihres Labels in Betracht. Denkbar sind Schalen mit weiteren Mustern sowie eine größere Servierschale, Vasen, Kannen oder Wandteller. Auch mit Metall-Etageren hat sie bereits experimentiert. Ihrem puristischen Design-Konzept will sie treu bleiben. Und auch das Merkmal "Made in Germany" bleibt wichtig. Es ist neben dem Logo und ihrem Namen auf der Unterseite jeder Schale gedruckt.