Wirtschaftsmorgen

Klimaschutz bis Peru

Archivartikel

Ein neuer Kochofen kann das Leben verändern – zumindest für viele Menschen in ländlichen Teilen Perus. Die Initiative „Qori Q’oncha“ stattet Haushalte dort mit neuen Öfen aus. Ein vermeintlich kleiner Schritt, der für peruanische Bauern gleichwohl große Folgen haben kann: Schornsteine befördern giftige Dämpfe nach draußen, die Öfen erleichtern das Kochen, für das Beheizen ist weniger Brennholz nötig. Mehr als 100 000 Öfen sind auf diese Weise in dem südamerikanischen Land schon verteilt worden, 490 000 Menschen sollen davon bisher profitiert haben.

Unterstützung bekommt das Projekt auch von Fuchs Petrolub. Der Mannheimer Schmierstoffkonzern hat sich das Ziel gesetzt, an seinen weltweit 58 Standorten vom 1. Januar 2020 an CO2-neutral zu sein: vom Energieverbrauch in der Produktion bis hin zu Verbrauchsmaterialien in der Verwaltung, teilt das Unternehmen mit. Fuchs unterstützt deshalb Klimaschutzprojekte – zum Beispiel die peruanische Ofen-Initiative oder den Bau eines Flusswasserkraftwerks in Indien. Man lege dabei Wert darauf, dass die Projekte laufend überprüft werden, so Fuchs. So ist die Ofen-Initiative in Peru mit dem als besonders anspruchsvoll geltenden Gold-Standard zertifiziert. Der WWF und andere Organisationen haben diesen Kriterienkatalog 2003 aufgestellt. Er soll sicherstellen, dass zertifizierte Projekte wirklich wirksam sind, und zudem die lokale Bevölkerung einbeziehen.

Grünes Engagement liegt derzeit im Trend – und dient bei vielen Unternehmen auch der Imagepflege. Bei Fuchs Petrolub gehöre das Thema aber schon seit der Firmengründung vor knapp 90 Jahren „zur DNA“, sagt Apu Gosalia, der als „Chief Sustainability Officer“ beim Konzern für Nachhaltigkeit verantwortlich ist.

2010 unterzeichneten die Mannheimer das „Leitbild für Verantwortliches Handeln in der Wirtschaft“. Die CO2-Neutralität ist zudem Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens. „Wir übernehmen damit Verantwortung für den globalen Klimaschutz“, teilt der Vorstandsvorsitzende Stefan Fuchs mit. „Und wir leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Ziele des 2015 ratifizierten Pariser Klimaschutzabkommens der Vereinten Nationen.“

Die Idee hinter den Investitionen in Klimaschutzprojekte lautet: Die vom Konzern verursachten Emissionen werden an anderer Stelle kompensiert. Schließlich ist es für den Klimaschutz nicht entscheidend, wo auf der Welt schädliche Treibhausgase reduziert werden. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert zum Beispiel auch die Kompensation, die Flugreisende für die von ihnen verursachten Emissionen erkaufen können. Ganz unumstritten ist das System nicht: Kritiker bemängeln, dass Verbraucher und Unternehmen sich so ein gutes Gewissen erkaufen, ohne das eigene Verhalten zu ändern.

Dieses Problems ist man sich offenbar auch bei Fuchs Petrolub bewusst: Die Form der CO2-Kompensation werde die kontinuierliche Suche nach vermeidbaren Emissionen nur begleiten und nicht ersetzen, erklärt Apu Gosalia. Die energieverbrauchsspezifischen CO2-Emissionen pro produzierter Tonne Schmierstoff habe man seit 2010 bereits um 30 Prozent senken können. Mittelfristig will der Konzern die Kompensationsleistungen schrittweise zurückfahren. Im Gegenzug soll der Versorgungsanteil an erneuerbaren Energien steigen – genau wie die Energieeffizienz der einzelnen Standorte. „Die meisten Klimagasemissionen bei der Schmierstoffproduktion sind energiebedingt“, erklärt Gosalia.

Vom kommenden Jahr an will Fuchs Petrolub selbst klimaneutral produzieren. In der Zukunft plant der Konzern aber noch einen weiteren Schritt: Langfristig strebe man an, den Kunden auch CO2-neutrale Produkte zu verkaufen. Dafür müssten die Lieferanten allerdings entsprechende Rohstoffe anbieten. Diese seien für 90 Prozent des CO2-Fußabdrucks eines fertigen Schmierstoffprodukts verantwortlich, sagt Gosalia.

Als größter unabhängiger Hersteller seiner Branche könne Fuchs durchaus Einfluss auf die Wertschöpfungskette ausüben: „Wir erwarten von unseren Lieferanten, dass sie nachhaltigere, innovative Vorprodukte verwenden, um uns künftig CO2-ärmere bis -neutrale Rohstoffe zu liefern.“