Wirtschaftsmorgen

"Kulturelle Vielfalt ist ein Wettbewerbsvorteil"

Archivartikel

Rhein-Neckar ist ein gutes Beispiel dafür, wie international eine deutsche Region sein kann. Viele Menschen unterschiedlichster Nationen arbeiten hier für Konzerne, die auf der ganzen Welt aktiv sind. "Unsere Märkte werden immer globaler", sagt eine Sprecherin des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF. Verschiedenste Bedürfnisse von Kunden aus allen Teilen der Welt gingen damit einher, die verstanden werden müssten. "Kulturelle Vielfalt ist ein Wettbewerbsvorteil." Alleine am Stammsitz Ludwigshafen sind Menschen aus 91 Nationen beschäftigt; die meisten davon stammen aus der Türkei, gefolgt von Italien und Frankreich.

Beim Softwarekonzern SAP aus Walldorf arbeiten deutschlandweit Menschen aus über 80 Nationen. Eine Vielzahl davon aus Indien und Großbritannien. Eine Sprecherin kennt weitere Details: "Über 80 Prozent sind hochqualifizierte Akademiker, 30 Prozent sind Frauen, das Durchschnittsalter liegt bei 42 Jahren." Der Schweizer Elektrotechnik-Konzern ABB mit Deutschland-Sitz in Mannheim hat viele Mitarbeiter aus Südeuropa, immer wieder kommen Bewerber aus asiatischen Ländern. Auch der Daimler-Konzern, der in Mannheim Lkw-Motoren und Busse für den öffentlichen Nahverkehr (Evobus) baut, setzt auf eine internationale Belegschaft. "Das Miteinander verschiedener Nationalitäten ist am Arbeitsplatz längst Alltag", sagt eine Sprecherin.

Warum ist kulturelle Vielfalt in der Arbeitnehmerschaft so wichtig? Wie schon angedeutet, erhoffen sich die Konzerne bedeutende Wettbewerbsvorteile: Kreativität, Innovationskraft, Wissen über ausländische Märkte. "Wir sind überzeugt davon, dass vielfältige Teams bessere Leistungen erzielen", so die Sprecherin von Daimler. "Besonders für unsere Innovationskraft ist es entscheidend, dass wir viele unterschiedliche Kenntnisse, Perspektiven und Erfahrungen zusammenbringen." Die Konzerne sehen auch eine gewisse soziale Verantwortung darin, Vielfalt zu fördern. Das sei auch das Ziel der Personalprojekte, erklärt die ABB-Sprecherin.

Tatsächlich hat jeder Konzern die unterschiedlichsten Programme laufen - für den Berufsalltag oder für die Freizeit. Wichtige Stichpunkte dabei: Integration, Vernetzung, Austausch. Dazu gehören Sprachkurse und interkulturelle Trainings. Bei ABB bekommt jeder neue Mitarbeiter einen Paten. Ein "Ambassador" - ein Botschafter - unterstützt dabei, alle wichtigen Informationen für das tägliche Leben zu erhalten. "Wichtig ist, dass die Integration nicht mit dem Büroschluss endet, sondern über die Arbeitszeit hinausgeht", sagt die ABB-Sprecherin.

Informelle Treffen sind auch bei der BASF wichtig. Mitarbeiter sitzen regelmäßig bei chinesischen, russischen oder spanischen Stammtischen zusammen. Oder sie starten Ausflüge in die Region oder gemeinsame Spieleabende.

Ohnehin ist die Belegschaft angehalten, selbst aktiv zu werden. Bei SAP zum Beispiel haben sich Gruppen verschiedenster Kulturen unter dem Netzwerk "Cultures@SAP'" zusammengeschlossen. "Sie organisieren regelmäßig stattfindende regionale und internationale Stammtische und Treffen, sowie große kulturelle Veranstaltungen unter jeweils einem bestimmten Motto", so die SAP-Sprecherin, "beispielsweise das chinesische Neujahrsfest, das indische Lichterfest oder das Afrikafest." In einer chinesischen Gruppe sind beispielsweise Mitarbeiter, die zusammen eine chinesische Samstags-Schule gegründet haben. Daimler hat mit dem "Daimler Türk-Treff" nach eigenen Angaben sogar das älteste und größte weltweit agierende Netzwerk von Mitarbeitern in der deutschen Industrielandschaft.

Die Partner der ausländischen Mitarbeiter sind eingeladen, an Programmen teilzunehmen und sich zu engagieren. Schließlich stehen auch sie vor der Aufgabe, sich in einem fremden Land einzuleben und die Gepflogenheiten dort kennenzulernen.