Wirtschaftsmorgen

Logistik-Park oder Golfplatz

Archivartikel

Es geht um fast 227 Hektar im Norden der Schönau und Sandhofens. 300 Fußballfelder in etwa: eine stattliche Fläche. Auf dem Gebiet der mittlerweile geschlossenen Coleman Barracks hat das US-amerikanische Militär unter anderem einen Flugplatz und mehrere Kasernen betrieben. Jetzt stehen Stadt und Anwohner, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor der Frage: Was soll aus diesem Gebiet werden? Während sich das Aktionsbündnis Mannheim-Nord, bestehend aus mehreren Bürgervereinigungen der nördlichen Stadtteile, für eine ausschließlich soziale und freizeitmäßige Nutzung ausspricht, plant die städtische Wirtschaftsförderung einen "Green-Logistik-Park", um den Park- und Verkehrsproblemen Mannheims beizukommen.

Zentrale Idee des Logistik-Parks ist laut Wirtschaftsförderung die folgende: Große Lkw mit Lieferungen in die Innenstadt sollen am Stadtrand parken und ihre Fracht auf kleinere, emissionsschwächere Lkw - zum Beispiel mit Elektroantrieb - umladen, die dann weiter ins Stadtinnere fahren. Der Umschlagplatz soll auf dem Coleman-Areal entstehen, auch wegen seiner "relativ großen Entfernung zu Wohngebieten, geringen Umweltauswirkungen durch die bereits vorhandene Versiegelung der Flächen sowie der hervorragenden Verkehrsanbindung zum überregionalen Verkehr". Soweit die Theorie.

Seit Oktober 2013 läuft eine Machbarkeitsstudie, danach wird man weitersehen. Die unterschiedlichen Ansichten sind schon lange klar und dürften es auch weiter bleiben. Während sich Horst Süss vom Bund der Selbständigen (BdS) Mannheim-Schönau für einen solchen Park ausspricht, scheint es vonseiten des Aktionsbündnisses keine Gesprächsbereitschaft zu geben. "Der Blick auf die Landkarte zeigt, dass wir hier oben von Industrie, Gewerbe, Straßen und Schienen umgeben sind", sagt Bündnis-Sprecher Wolfgang Steinmann. Deshalb gebe es so etwas wie "eine Sehnsucht nach ein bisschen mehr Grün".

"Dabei geht es auch um ein Stück Lebensqualität", sagt Steinmann mit Blick auf das seiner Meinung nach zu schlechte Image des Mannheimer Nordens. Vor allem Familien zögen nicht dahin, wo nur Industrieschlote und Asphalttrassen zu sehen seien. Deshalb planen Steinmann und seine Bündniskollegen statt eines Logistik-Parks unter anderem eine Golf- und Freizeitanlage, ein Urzeit-Dorf in Zusammenarbeit mit den Reiss-Engelhorn-Museen sowie eine Einrichtung für Demenzkranke in einem ökumenischen Dorf. Bei letzterem Projekt sei bereits der Grundstein für eine Zusammenarbeit mit den Sozialträgern gelegt.

Solange die Besitzverhältnisse noch nicht geklärt sind und weder Stadt noch Bima - die staatliche Verwaltungsgesellschaft für die Konversionsflächen - wissen, wer wann was kauft, lässt sich laut Steinmann nichts Konkretes auf die Beine stellen. Allerdings zeigt er sich optimistisch, dass man im Falle eines grünen Lichtes seitens Stadt und Bima schnell zu Ergebnissen kommen kann. "Es gibt da ernsthaftes Interesse, zum Beispiel von dem Investor für die Golfanlage oder von der Diakonie, wenn es um das Demenzdorf geht", sagt Steinmann.

Zusätzliche Emissionen aller Art, vor allem von tonnenschweren Lastkraftwagen, lehnen Steinmann und Kollegen ab. Denn Vororte mit "mangelnder Lebensqualität" seien in Mannheim nicht erwünscht. Welche Lösung am Ende für Coleman gefunden wird, ist jetzt noch nicht absehbar. 2013 wurden die ersten Workshops unter reger Beteiligung des Aktionsbündnisses veranstaltet, in diesem Jahr sind weitere geplant. Steinmann ist sich sicher: "Am Ende des Jahres sind wir einen wichtigen Schritt weiter."