Wirtschaftsmorgen

Malz für die Welt

Archivartikel

Ob der Geschmack eines Bieres an gebrannte Mandeln, Stachelbeeren oder Kaffee erinnert, hängt von den enthaltenen Malzsorten ab. „Das ist wie bei einem Handwerkerkasten“, erklärt Axel Göhler, Chef der Heidelberger Mälzerei Palatia Malz. Jeder Brauer könne sich die Art und Anzahl der für ihn passenden Werkzeuge aussuchen. Palatia Malz produziert mehr als 30 Varianten der Zutat, die das deutsche Reinheitsgebot neben Wasser, Hopfen und Hefe zur Bierherstellung erlaubt.

Seit 2014 steht er an der Spitze des Unternehmens, das jetzt 120. Geburtstag feiert. Nach eigenen Angaben verkaufte Palatia im vergangenen Jahr über 70 000 Tonnen Malz und erwirtschaftete einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro. Zur Belegschaft gehören 85 Mitarbeiter, die sich auf drei Standorte verteilen.

In der Kurfürsten-Anlage in Heidelberg ist die Verwaltung untergebracht. An der Wand des Besprechungsraumes, wo Axel Göhler die Geschichte seiner Firma Revue passieren lässt, hängt heute die Braumeisterurkunde seines Großvaters Max Göhler. Dieser kaufte im Jahr 1930 eine Mälzerei in Kreimbach-Kaulbach, einem Dorf nordwestlich von Kaiserslautern. Sie war 1899 als Mehlmühle gegründet worden und stand wegen der Weltwirtschaftskrise vor dem Aus. Heute ist Kreimbach-Kaulbach einer von zwei Produktionsstandorten. Der andere befindet sich in Wallertheim südwestlich von Mainz und liegt verkehrsgünstig nahe der Rheinhäfen Mainz, Wiesbaden und Worms. Das verspricht kurze Wege für den Export über Antwerpen und Rotterdam. Max Göhlers Sohn Eberhard, der in den 1960er Jahren in die Unternehmensleitung einstieg, kaufte diesen Betrieb 1987 hinzu.

Unter der Führung der dritten Familiengeneration bereitete Palatia Malz kurz nach der Jahrtausendwende den Einstieg in den internationalen Vertrieb vor: Neben dem Aufbau der Marke Bestmalz wurde in eine Absackanlage und Rösterei investiert. Axel Göhler, der Enkel Max Göhlers, stieg 2014 ins Management ein. Er steht heute mit zwei familienfremden Geschäftsführern an der Spitze der national und international wachsenden Mälzereigruppe, die nach eigener Aussage zu den führenden deutschen Herstellern gehört.

Das Sortiment bietet mit Basis- und Röstmalzen, solchen für Craftbier sowie funktionellen und Spezialmalzen Alternativen für jeden Brauerwunsch. Der Schwerpunkt liege aber auf der Herstellung von Spezialmalzen, weil sich damit der größte Gewinn erzielen lasse. „Auch in China sind die Kunden heute bereit, für Qualität aus Deutschland mehr zu zahlen“, erklärt Göhler. Für seine Malze wird das Getreide karamellisiert. Pils und Kölsch ließen sich daraus ebenso herstellen wie Bock- und Altbier oder Pale Ale. Neuentwicklungen bräuchten allerdings Zeit, und so habe sich das Sortiment in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert.

Als promovierter Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmensberater bringt Göhler zwar Managementerfahrung, aber keine Ausbildung zum Mälz- oder Braumeister mit wie sein Großvater. Dennoch scheint das Konzept aufzugehen, denn der Exportanteil lag im vergangenen Jahr bei 60 Prozent. Die USA und Kanada seien der wichtigste außereuropäische Absatzmarkt, gefolgt von China und Russland. Am Standort Wallertheim hat Palatia Malz in eine hochmoderne Lager- und Logistikhalle investiert. „Damit können wir unsere Malzerzeugnisse in kleinen, mittleren und großen Verpackungseinheiten künftig schneller in alle Welt verschicken“, sagt Göhler.

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