Wirtschaftsmorgen

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Migranten in der Region: Mit Vielfalt zum Erfolg

Archivartikel

Wenn es um die Gründung eines Unternehmens geht, spielen Migranten in Deutschland eine große Rolle. Das zeigt ein Blick auf die aktuellen Zahlen: Nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn hatten rund 44 Prozent der Menschen, die sich im ersten Halbjahr 2015 mit einer Firma in Deutschland selbstständig gemacht haben, keinen deutschen Pass.

"Der Boom in diesem Bereich ist ungebrochen. Die Zahl an selbstständigen Migranten hat sich in den letzten 20 Jahren etwa verdoppelt", bestätigt René Leicht vom Institut für Mittelstandsforschung (ifm) an der Uni Mannheim. Doch wer glaubt, dass es sich dabei vor allem um kleine Döner-Restaurants, Pizzerien und Gemüseläden handelt, der irrt gewaltig. "Die Branchenstruktur hat sich deutlich gewandelt", sagt Leicht. Der Diplom-Soziologe und Forschungsbereichsleiter am ifm Mannheim hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit seinem Kollegen Marc Langhauser eine Studie veröffentlicht, die sich mit der Bedeutung und dem Leistungspotenzial von Migrantenbetrieben in Deutschland befasst.

Demnach nimmt vor allem die Bedeutung von Gastronomie und Handel bei Unternehmern mit Migrationshintergrund ab; nur noch ein Drittel von ihnen ist in diesen Wirtschaftszweigen aktiv. Stattdessen spielen die sogenannten "wissensintensiven Dienstleistungen" eine immer größere Rolle: also beispielsweise IT-Service, technische und wirtschaftliche Beratung, Forschung, Gesundheitsdienste. Jeder vierte von Migranten gegründete Betrieb ist inzwischen in diesen Geschäftsfeldern tätig. Auch mit vielen weiteren Klischees räumen die Mannheimer Forscher auf. Zum Beispiel dem, dass sich Migranten oft aus der Not heraus selbstständig machen, weil sie geringqualifiziert sind und auf dem Arbeitsmarkt keine Chance haben. "Die unternehmerischen Aktivitäten wachsen mit höherem Grad der Bildung - und dies sogar deutlicher als bei den Einheimischen'", heißt es in der Studie. 39 Prozent aller selbstständigen Migranten haben demnach ein hohes Qualifikationsniveau - also einen Hochschulabschluss oder eine vergleichbare Qualifikation.

Auch in Sachen Beschäftigung leisten Migrantenunternehmen einen wichtigen Beitrag. Zwar arbeitet - wie bei deutschen Selbstständigen auch - die Mehrheit von ihnen als Ein-Mann-Betrieb. Den Mannheimer Wissenschaftlern zufolge beschäftigen aber immerhin fast 40 Prozent weitere Mitarbeiter. Insgesamt, so schätzen Leicht und sein Kollege, stellen Migrantenbetriebe in Deutschland mindestens 2,2 Millionen Beschäftigte. Das entspricht einem Anteil von 18 Prozent an allen Arbeitsplätzen in inhabergeführten mittelständischen Unternehmen.

Und auch in puncto Ausbildung sind Firmen, die von Migranten gegründet wurden, immer stärker aktiv, vor allem in der Region. "Die Ausbildungsbeteiligung der Migrantenunternehmen ist hier sicher noch ein Stück höher als bundesweit", sagt Soziologe Leicht. Grund dafür seien unter anderem gezielte Projekte in der Region, die helfen sollen, die Zahl der Lehrstellen in Migrantenbetrieben zu erhöhen. So gibt es schon seit 1996 den Ausbildungsverbund des Interkulturellen Bildungszentrums (ikubiz) in Mannheim, an dem sich inzwischen mehr als 250 Ausbildungsbetriebe der Region beteiligen.

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