Wirtschaftsmorgen

Mit „Bibby“ zu Albatros

Archivartikel

Es ist schwimmendes Hotel, Werkstatt und Ersatzteillager in einem: das Spezialschiff „Bibby Wavemaster Horizon“, das der Karlsruher Energieversorger EnBW und die Siemens-Tochter Siemens Gamesa gerade gemeinsam auf See geschickt haben. Genauer gesagt, in die Nordsee. Dort soll das 90 Meter lange Spezialschiff dafür sorgen, dass in den beiden neuen Offshore-Windparks der EnBW – Hohe See und Albatros – alles reibungslos läuft.

Dazu hat „Bibby“ einer EnBW-Sprecherin zufolge rund 40 Servicetechniker an Bord, die die Windräder in den beiden Parks auf hoher See warten und bei Bedarf reparieren. „Die Parks liegen rund 100 Kilometer von der Küste entfernt, deshalb wäre es viel zu zeitaufwändig, wenn die Techniker im Bedarfsfall jedes Mal erst mit dem Schiff rausfahren müssten“, erklärt die Sprecherin. Das sehe man zum Beispiel an einem anderen Offshore-Windpark der EnBW in der Ostsee: Die dortige Anlage Baltic 1 ist nur rund 20 Kilometer von der Küste entfernt, doch allein für diese Strecke brauche ein Serviceschiff ungefähr eineinhalb Stunden. „Bei den Parks Hohe See und Albatros würde es noch viel länger dauern.“

„Bibby“ ist deshalb dauerhaft in den beiden nebeneinander liegenden Nordsee-Windparks stationiert. Die Servicetechniker kommen per Helikopter zu dem Schiff und bleiben 14 Tage, dann werden sie von Kollegen abgelöst und sind 14 Tage an Land. „Weil die Mitarbeiter auf dem Schiff quasi wohnen, gibt es dort unter anderem ein Kino und einen Fitnessraum“, sagt die Unternehmenssprecherin. Besetzt sei das Schiff durchgehend – „auch an Weihnachten und Silvester.“ Für den Einsatz in den Windparks sei „Bibby“ speziell ausgerüstet. So gibt es zum Beispiel eine ausfahrbare Gangway, über die die Techniker vom Schiff aus zu einem der Windräder gelangen können, auch bei Wellen, die mehr als drei Meter hoch sind. Außerdem hat „Bibby“ ein kleineres Serviceschiff an Bord, mit dem die Techniker durch die Parks fahren können. „Gerade für Reparaturen ist es wichtig, dass die Spezialisten schnell vor Ort sind. Denn je länger eine Anlage still steht und keinen Strom produziert, desto schlechter ist es.“ Die 71 Windkraftanlagen des Parks „Hohe See“ sind der Sprecherin zufolge bereits in Betrieb, die 16 „Albatros“-Anlagen sollen noch in diesem Jahr folgen. Die Gesamtleistung soll nach Angaben von Stefan Kansy, zuständig für Neubauprojekte bei der EnBW, bei 609 Megawatt liegen. Voraussichtlich ab 2025 will das Unternehmen einen dritten Windpark in der Nordsee mit einer Leistung von 900 Megawatt bauen.