Wirtschaftsmorgen

Mitarbeiter als Botschafter

Archivartikel

Roche in Mannheim setzt darauf, Management-Teams internationaler zu besetzen. Für Fachkräfte gibt es ein Willkommens-Paket. Von Karin Urich

Kulturelle Vielfalt als Chance zu begreifen, das ist bei der Roche Diagnostics GmbH (RDG) Programm. Bei dem Unternehmen, das seinen Hauptsitz in der Schweiz hat und in der ganzen Welt produziert, sind an den beiden deutschen Standorten in Mannheim und Penzberg Mitarbeiter aus 74 Nationen tätig - und das auf allen Ebenen. Davon profitiere der Konzern und davon profitieren auch die deutschen Mitarbeiter, ist sich Edgar Vieth (Bild), Geschäftsführer Personal der RDG, sicher. "Jeder Mitarbeiter ist ein Botschafter", betont er. Nicht zuletzt deshalb hat Roche schon vor Jahren ein eigenes Diversity Management etabliert, das einen seiner Schwerpunkte im Bereich "Kulturelle Vielfalt auf dem Arbeitsmarkt" hat.

Ausländische Mitarbeiter sind in Mannheim längst heimisch. So berichtet Elke Schüler (Bild), Personalleiterin der RDG am Standort Mannheim, von Kollegen in der Produktion, deren Eltern und Großeltern aus dem Ausland nach Mannheim kamen, um hier zu arbeiten. Viele haben inzwischen einen deutschen Pass. Und sie nennt das Ordermanagement in der Logistik als weiteres Beispiel. "Wir liefern in die ganze Roche-Welt. Und wir sind in der Lage, die Kunden beispielsweise auch auf französisch, türkisch oder japanisch zu beraten", erzählt die Personalleiterin. Auf der Ebene der Management-Teams arbeite man derzeit ganz gezielt daran, diese internationaler zu besetzen und Führungskräfte vor allem aus Asien und Amerika mit einzubinden. Da ist es selbstverständlich, dass Meetings in deutscher und in englischer Sprache abgehalten werden.

Um neue Fachkräfte ins Unternehmen zu holen, hat Roche ein ganzes Willkommens-Paket geschnürt. Dabei arbeitet der Konzern mit der Metropolregion Rhein-Neckar zusammen und gehört ihrem Welcome-Club an, setzt aber auch eigene Akzente. So bietet Roche Hilfe beim Start in Deutschland an, von der Suche einer Wohnung, einer Schule oder eines Kindergartenplatzes bis hin zum Ausfüllen von Formularen. Darüber hinaus werden in Einzelfällen auch Kosten beispielsweise für die Schule übernommen. Eines hat sich Roche aus dem Ausland abgeschaut: das Angebot haushaltsnaher Dienstleistungen für Mitarbeiter, das von einer Agentur organisiert wird. "Unsere ausländischen Mitarbeiter schätzen dies sehr und auch die Einheimischen nutzen die Dienstleistungen rege", so Schüler.

Das Unternehmen gibt auch Anstöße zur Freizeitgestaltung, die sich auch an interessierte deutsche Mitarbeiter richten. Denn schließlich sollen sich beide Seiten kennenlernen und voneinander profitieren. Deshalb hat Roche ein Mentorenprogramm in Vorbereitung, bei dem deutsche Mitarbeiter gewissermaßen eine Patenschaft für ausländische Mitarbeiter und ihre Familien übernehmen, ihnen beim Start helfen und die Region zeigen. Und schließlich wird im Unternehmen auch gemeinsam gefeiert - zum Beispiel ein bayerisches Oktoberfest in Mannheim - oder die Speisekarte für das Mittagessen in der "Kulinarischen Woche der Vielfalt" international aufgestellt.

Doch auch die Mitarbeiter, die schon länger im Unternehmen sind, sollen die Chance erhalten, andere Kulturen kennenzulernen. So gibt es ein Austauschprogramm mit anderen Roche-Standorten weltweit, wo Mitarbeiter für mindestens drei Monate arbeiten können. Am Standort Mannheim nutzen dies derzeit rund 100 Mitarbeiter. "60 Prozent davon sind im Ausland, 40 Prozent bei uns", schildert Schüler das Verhältnis. Immer wieder entscheiden sich Mitarbeiter nach einem solchen Austausch, länger im Ausland zu bleiben - und schließen entsprechende Verträge.