Wirtschaftsmorgen

Müsli-Kreation aus Mannheim

Wie oft lockt die Lust auf etwas Süßes. Doch dann meldet sich prompt das schlechte Gewissen. Ungesund, zu viele Kalorien, massig Zucker, kommt es einem in den Sinn. „Viele Leute achten auf die Linie, leben nach Ernährungstrends – für mich bedeutet das eine Extraportion Stress“, erklärt Mert Phillip Karpuz, 23 Jahre alt. „Den wollte ich aus dem Alltag rausnehmen, die Menschen sollen sich nicht so viele Gedanken machen.“ So keimt in ihm die Idee, etwas Eigenes zu entwickeln: spezielle Müsliriegel. „Ich wollte was Süßes für jedermann kreieren, was zudem noch gesund ist.“

Im April 2017 übernahm er deshalb die Firma Nutso Nuts Kernels in Mannheim. Den früheren Großhandel für Nüsse führte er weiter, parallel dazu entwickelte er aber schon Zusammensetzung, Design und Marketing seiner neuen Produkte. Wenn er bisher nach Riegeln ohne Zuckerzusatz suchte, fand Karpuz in den Supermarktregalen entweder nur rein proteinhaltige für Sportler, Riegel mit unnatürlichen Zusatzstoffen oder welche, die ihm einfach zu trocken waren. Bei der Frage, was in sein Produkt hinein soll, war für ihn klar: Er wollte zwei Riegel ohne Zuckerzusatz – einen mit Quinoa und Erdbeerstückchen, einen mit Chia und Kokosflocken sowie Vollkorngetreide als Basis.

Der aus Südamerika stammende Quinoasamen ist nicht nur eine gute Proteinquelle, sondern auch reichhaltig an Mineralstoffen. Da komplett basisch, trage er zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährung bei. Die kleinen Chia-Samen aus Mexiko weisen einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, Calcium, Magnesium, Zink und Eisen sowie löslichen Ballaststoffen auf und gelten ebenfalls als sehr gesund. Nach Angaben von Karpuz gibt es diese Kombinationen mit Quinoa und Chia bislang nicht auf dem deutschen Markt. Produziert wird in einem EU-Nachbarland.

Als englischen Produktnamen wählte Karpuz Happy Bars, weil er die Leute mit seinen Riegeln glücklich machen möchte. Nach dem Start des Unternehmens erledigte er anfangs alles in Personalunion: Marketing, Büro, Verkauf und Vertrieb. Viel Erfahrung hatte der Sohn eines Türken und einer Polin vorher im väterlichen Großhandel für Trockenfrüchte und Nüsse gesammelt, in dem er jahrelang mithalf. Die Marketing-Aktivitäten im eigenen Betrieb hat er aber inzwischen an eine Agentur vergeben. Freundin und Bruder wiederum unterstützen ihn tatkräftig, hinzu kommen zwei freie Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis. Zur Kunden-Akquise fährt der 23-Jährige nach wie vor in Supermärkte, um seine Riegel vorzustellen. Er schaut, welche am besten bei Jung und Alt ankommen. „Eine eigene Marktstudie, die nie aufhört.“

Da er selbst erst Anfang 20 ist, hat er vor allem junge Leute als Zielgruppe im Auge. „Da weiß ich am besten, was sie mögen.“ Sogenannte Influencer – also Menschen, die auf sozialen Plattformen stark präsent sind – probieren die Riegel und stellen originelle Fotos davon auf soziale Netzwerke wie Instagram oder Facebook. Das steigere die Bekanntheit der Produkte: „Es gibt für mich nichts Besseres, als wenn die Kunden selbst für die Happy Bars Werbung machen.“ Außerdem hat der Jungunternehmer das Glück, von renommierten Firmen unterstützt zu werden. Mit Lasten-Elektrofahrrädern des E-Bike-Herstellers HNF-Nicolai etwa durften Karpuz und sein Team ihre Ware transportieren und sie bei Aktionen wie „Sport & Spiel am Wasserturm“ in Mannheim an die Besucher verteilen.

Karpuz zeigt sich sehr zufrieden: „Wir wachsen stetig weiter.“ Abnehmer der Riegel sind vor allem diverse Supermärkte in der Region. Sein Ziel ist es, sie bald deutschlandweit zu verkaufen. Über seinen Onlineshop vertreibt er die Produkte bereits in ganz Europa.

Demnächst plant er statt der bunten Folien eine umweltschonendere Verpackung aus Papier mit einem lächelnden Mund als neuem Logo, weil Karpuz den Kunden ein Strahlen ins Gesicht zaubern möchte. Ende 2018 soll ein neuer Riegel auf den Markt kommen, der glücklich macht. Zusammensetzung: noch geheim. (Von Gesine Millhof)f