Wirtschaftsmorgen

Per E-Moped durch Heidelberg

Archivartikel

Fast geräuschlos erobern seit wenigen Wochen weiße Motorroller die Straßen der Stadt. Angetrieben von einer Batterie, sollen sie als Alternative zum Auto ihren Teil zu einer nachhaltigen Verkehrswende beitragen. Das jedenfalls ist der Wunsch von Matthias Winkler und Paul Muck. Gemeinsam haben sie in Heidelberg das Unternehmen Lotte gegründet und vermieten ihre zehn Fahrzeuge für bis zu sieben Tage.

In der noch laufenden Testphase müssen die Kunden am Büro in der Altstadt klingeln, dort einen Leihvertrag unterschreiben und ihren Führerschein vorzeigen, ehe sie den Fahrzeugschlüssel, einen Helm und eine kurze Anleitung erhalten. „Die Nutzer sind bisher sehr zufrieden“, berichtet Winkler. Zu jedem Moped, wie er seine Fahrzeuge nennt, gibt es auch ein Ladegerät, mit dem sich die Batterie in eineinhalb Stunden an jeder Steckdose aufladen lässt.

Künftig soll das Verleihen über ein Programm auf dem Smartphone – einer App – möglich sein. Nach der Registrierung lässt sich das nächstgelegene Moped mit dem Smartphone freischalten und für 20 Cent pro Minute fahren. Den Kopfschutz findet der Fahrer unter dem Sitz. Außerdem gibt es Freiminuten, in denen man sich mit dem Fahrzeug vertraut machen soll.

Dies dürfte aber unproblematisch sein, denn drei Stufen erlauben auch ungeübten Fahrern das behutsame Herantasten an die Höchstgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde. Der Führerschein muss vorher eingescannt und hochgeladen werden.

Die Reichweite einer Batterie liegt derzeit noch bei 60 Kilometern, in Zukunft sollen es aber bis zu 100 sein – auch, um sie seltener austauschen zu müssen. Dann soll jeder Roller mit einer Halterung für das Smartphone ausgestattet sein. Mit dem Fach unter dem Sitz, einem Haken für die Einkaufstasche und einem USB-Anschluss sind die Mopeds auch für Transporte einsetzbar.

Derzeit laufen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung über den Beginn des ortsunabhängigen Verleihs. Die Absprache mit den Behörden sei zwar nicht unbedingt notwendig, doch müsse man sich auf Parkberechtigungen und geeignete Stellflächen verständigen, damit Nutzer von dem Angebot profitierten, erklärt Winkler. Ämter oder Banken könnten für ihre Mitarbeiter feste Kontingente mieten. Im Vergleich zum Dienstwagen böten die weißen Mopeds mehr Flexibilität. Die Verwaltung begrüße ein solches Angebot, mit dem „gerade innerstädtische Wege emissionsfrei erledigt“ werden könnten, wie es in einer Mitteilung heißt.

Die Firmengründer von Lotto gehen eigentlich noch anderen Berufen nach. Winkler betreut von Heidelberg aus die Kunden einer spanischen Unternehmensberatung in Deutschland und in der Schweiz. Muck organisiert Veranstaltungen in der Autobranche. Beide folgen mit Lotte laut eigener Aussage einem Trend. In Großstädten wie Stuttgart oder Frankfurt würden ähnliche Angebote, die die Luftqualität und Mobilität erhöhen und die Zahl der Autos reduzieren wollen, immer beliebter. Ihre Kontakte und Erfahrungen kämen ihnen zugute, erklärt Winkler. So hätten sie bereits Partner gefunden, um die Verleih-App zu entwickeln und ihre Marke aufzubauen.

Lotte soll ein langfristiges Angebot sein. Geplant sind 50 Mopeds in Heidelberg. „Das wollen wir noch dieses Jahr schaffen“, sagt Winkler optimistisch. In Mannheim sollen 2020 ebenfalls 50 Fahrzeuge verfügbar sein. Dann bräuchten sie allerdings zwei weitere Mitarbeiter in Voll- sowie einen Mechaniker in Teilzeit für den Verleih und die Wartung. Hinzu kämen weitere Aushilfen. „Um einen Beitrag zur Verkehrswende zu leisten, müssen wir eine gewisse Mindestgröße erreichen“, ergänzt Muck.