Wirtschaftsmorgen

Per Limousine von A nach B

Archivartikel

Jörg Mayer kann ein Lied davon singen. Als Manager ist er in seinem Leben schon viel umhergereist. Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit der verschiedenen Verkehrsmittel ärgerten ihn dabei allerdings zunehmend. „Ob in der Bahn, im Flugzeug, im eigenen Auto – keine dieser Alternativen war für mich verlässlich oder stressfrei“, erklärt er. Im Zug erschwere ihm fehlendes oder störanfälliges Internet die Arbeit. Zudem war es dort oft zu laut.

Das geht auch anders, dachte sich Mayer. Der 45-Jährige gründete 2018 die CityLoop Travel GmbH – ein Reisebüro, das Geschäftsreisen auf der Mittelstrecke bis 250 Kilometer organisiert. Und zwar in einem Audi A 8 L. Bis zu drei Fahrgäste sollen in der Oberklassen-Limousine pünktlich zu ihren geschäftlichen Terminen gelangen und somit auch den Individualverkehr auf der Straße reduzieren.

Die Dienstreisenden haben die Möglichkeit, auf sogenannten Loops – also kreisförmigen Strecken, die Flughäfen und Unternehmen verbinden – an zahlreichen Bedarfshaltepunkten zu- und auszusteigen. An Bord des Audi lässt sich im rollenden Büro arbeiten: Die Limousine ist mit drahtlosem Internet (WLAN) für Notebook und Tablet ausgestattet; zudem gibt es USB-Anschlüsse und Klapptische. Aus einem eingebauten Kühlschrank können sich Kunden an Erfrischungsgetränken bedienen. Für mehr Privatsphäre, ungestörtes Arbeiten oder auch mehr Beinfreiheit kann zusätzlich zum beliebten Sitz hinten rechts noch der Platz rechts vom Fahrer und/oder der zweite hintere Sitz hinzugebucht werden.

Aufkommende Kritik an großen Limousinen mit hohem Benzinverbrauch kontert der CityLoop-Chef mit der aus seiner Sicht noch zu geringen Reichweite von Elektroautos. Da elektrische Fahrzeuge die Mittelstrecke noch nicht ohne zeitaufwendige Aufladung bewältigen könnten, sei es notwendig, eine deutlich größere Flotte anzuschaffen. Denn die Zuverlässigkeit im Fahrplanbetrieb müsse gewährleistet sein. Mayer zeigt sich aber allen Antriebsarten – wie auch der Brennstoffzelle – offen, wenn die Fahrzeuge in der Lage sind, den ganzen Tag zu fahren. Die zurzeit genutzten Audis seien die emissions- und verbrauchsärmsten in ihrer Klasse, sagt er.

Viele international tätige Mittelständler und Konzerne sind eher auf der „grünen Wiese“ angesiedelt als in Städten. Das unterstreicht aus der Sicht von Mayer den Bedarf an Transfers auf der Mittelstrecke und einer besseren Verzahnung mit Flughäfen, Fernverkehrsbahnhöfen und Messezentren. „Deshalb haben die Unternehmen großes Interesse daran, dass es für ihre Mitarbeiter solche Transportlösungen gibt“, weiß Mayer aus intensivem Gesprächsaustausch. Sie bevorzugten eine gute Anbindung statt selbst einen kostenintensiven Chauffeursservice betreiben zu müssen. „Unsere Vision ist es, dass Firmenfahrten mit eigenem Dienstwagen künftig ganz abgeschafft werden können.“ Nichts sei unwirtschaftlicher, als selbst am Steuer zu sitzen: „Dann ist man selbst sein teuerster Chauffeur, da man nicht gleichzeitig arbeiten kann.“

Die CityLoop-Zentrale befindet sich in Walldorf unweit des Softwareherstellers SAP im „SAP-Partnerport“ – ein Gebäude, in dem verschiedene Firmen angesiedelt sind. Von SAP aus müssen täglich rund hunderte Mitarbeiter oder auch Besucher den nächsten Flughafen erreichen. Bisher werden laut Mayer die meisten einzeln befördert.

Deshalb hat CityLoop nach der offiziellen Präsentation des Konzepts im März 2019 auf der Internationalen Tourismusmesse in Berlin mit ausgewählten Kunden zwei Erprobungsstrecken à 100 Kilometer in Betrieb genommen: vom Gewerbegebiet rund um SAP zu den Flughäfen Frankfurt beziehungsweise Stuttgart und zurück. Die beiden Loops sind miteinander verknüpft und werden wie beim Linienverkehr mehrfach am Tag zu regelmäßigen Zeiten befahren. Die Touren erledigen professionelle, von der CityLoop eigens geschulte Chauffeur-Dienste.

In der Erprobungsphase will Vorstandschef Mayer so viel Erfahrungen wie möglich sammeln – und dafür Rückmeldungen der Kunden einholen. Der Service soll noch in diesem Jahr in den Regelbetrieb gehen. Mittelfristig sind rund 90 Strecken geplant.