Wirtschaftsmorgen

Rezepte der Oma aus Kalifornien

Archivartikel

Kalifornien verbinden die meisten Menschen mit Urlaub am Meer. Das Lebensgefühl des US-Bundesstaats will Anne Bierbrauer auch nach Heidelberg bringen. In ihrem amerikanischen Café in der Hauptstraße bietet die 28-Jährige zum Beispiel Brownies mit Eiscreme an, Bananen-Walnuss-Muffins und Cheesecake (amerikanischer Käsekuchen).

Bierbrauer hat kalifornische und schwäbische Wurzeln. In der Heimat ihrer amerikanischen Mutter hat sie mehrere Jahre mit Unterbrechung verbracht. "Ich habe das Abi abgebrochen, zog nach Los Angeles um dort Schauspielerin zu werden", erzählt sie, während sie einen großen Brownie auf einen Teller legt und aufwärmt. Irgendwann habe sie jedoch beschlossen, ihre Hochschulreife nachzuholen.

In den Vereinigten Staaten lebte außerdem ihre Großmutter, zu der sie ein enges Verhältnis hatte. "Meine Oma hat immer viel gebacken", sagt die ausgebildete Köchin. "Wenn wir bei ihr zu Besuch kamen, hatte sie immer Kuchen da."

Vor allem Cinnamon Rolls (Zimtschnecken) liebt die junge Frau. Das Gebäck weckt bei ihr schöne Erinnerungen. "Doch Cinnamon Rolls habe ich in Deutschland nicht bekommen", sagt sie. "Also habe ich sie selbst gebacken." Dabei kam ihr die Idee, amerikanisches Gebäck und Kuchen in ihrem eigenen Café zu verkaufen.

"Mein Papa und mein Opa sind beide Unternehmer", sagt sie. "Ich wollte schon immer entweder etwas Deutsches in den USA machen oder etwas Amerikanisches in Deutschland." Schnell hat sie die Initiative ergriffen, um ihren Traum zu verwirklichen.

Anne Bierbrauer fertigt also einen Businessplan an, kümmert sich um die Finanzierung und sucht eine geeignete Lokalität, zunächst in Stuttgart, später auch in anderen Städten. In Heidelberg wird sie fündig. "Es ist eine schöne Stadt", sagt sie. "Heidelberg hat mit dem ehemaligen Europa-Hauptquartier der US-Army schon eine lange amerikanische Geschichte."

Im April dieses Jahres wagt sie mit ihrem jungen Unternehmen den Schritt in die Selbstständigkeit. Ihr Café tauft sie "Peppa Jane" - nach ihrem Spitznamen. "Ich werde Peppa genannt", sagt sie und erklärt: "Eine Anlehnung an die Disney-Figur Pepper Ann, die nur Flausen im Kopf hat." Und Jane sei der Lieblingsname ihrer Mutter.

Rund 40 Rezepte ihrer inzwischen verstorbenen Großmutter stehen auf Karteikarten. "Ihre Handschrift ist sehr schwer zu lesen", sagt Bierbrauer. "Ich musste oft meine Mutter fragen, was das heißt." Fünf Monate lang backt Anne Bierbrauer unermüdlich, verbessert hier und da etwas, bis sie schließlich mit dem Rezept zufrieden ist.

Sieben Backideen hat die Halbamerikanerin inzwischen in ihr Programm aufgenommen. Zum Backen hat die Geschäftsfrau, die selbst mit im Laden steht, keine Zeit: Eine Backstube in der Region produziert deshalb die Ware nach ihren Rezepten für das "Peppa Jane".

Den Laden hat die Unternehmerin nach ihren persönlichen Vorstellungen gestaltet. Schokobraune Sofas samt Kuschelkissen, ein prall gefülltes Regal mit englischssprachigen Büchern, Schnappschüsse und ein Klavier lassen den Innenraum wie ein amerikanisches Wohnzimmer wirken. "Es war mir wichtig, dass sich alle Leute wie zu Hause fühlen."

Das Publikum im "Peppa Jane" ist gemischt. Durch die Lage an der Hauptstraße kommen viele Menschen vorbei: Touristen kehren ein, Studenten kommen zum Lernen. Paare verabreden sich hier. Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen Gästen stellt Bierbrauer immer wieder fest. "Die Amerikaner sind gesprächiger", sagt sie. "Und die Deutschen sind oft zwar etwas zurückhaltender, aber immer freundlich."

Ihre Eltern und ihr Freund kommen regelmäßig vorbei. Auch ihre Tante in den USA hat schon ihren Besuch angekündigt. Obwohl Anne Bierbrauer den ganzen Tag von Gebäck umgeben ist, ist ihre Lust auf Süßes noch nicht vergangen. Im Gegenteil. "Es gibt keinen Tag, an dem ich nichts Süßes esse."